:GEMEINSCHAFT
GEMEINSCHAFT : ZISTERZIENSER
Aufbruch in die Neuzeit

Aus der Reformbewegung von Cîteaux war ein eigenständiger Orden geworden, der bereits in seiner Zeit europaweit wirkte, sogar bis in den seinerzeit noch kaum wahrgenommenen Osten hinein. Den frühen Zisterziensern kam dabei besonders zu Gute, dass sie nicht nur geistlich, sondern auch als "Kulturpioniere" tätig waren. Ihre Leistungen in Fisch- und Pferdezucht, Obst- und Weinanbau und sogar im Bergbau waren richtungweisend.

Die Abgeschiedenheit des Ortes, die Reinheit der architektonischen Formen und die Einfachheit der Lebensvollzüge, das waren Kernelemente des neuen zisterziensischen Ideals. Aus all dem entfalteten sich eine eigene zisterziensische Architektur, Wirtschaft, Kunst und Liturgie als äußere Erscheinungsformen des ihnen zugrunde liegenden Ideals der Einfachheit. Kultur war bei den Zisterziensern immer eng verbunden mit dem "Kult", verstanden als dem das gesamte Mönchsleben umfassenden Gottesdienst.

Die dem neuen Orden seit 1120 zugehörenden weiblichen Gemeinschaften übertrafen bald zahlenmäßig die Männerklöster. So wurde die Spiritualität der Zisterzienser bis ins 15. Jahrhundert nicht nur von Mönchen (Bernhard, Aelred von Rievaulx, Wilhelm von St. Thierry), sondern auch immer wieder wesentlich von mystisch begnadeten Nonnen des Ordens (Mechthild von Magdeburg, Gertrud von Helfta, Luitgard) geprägt.

Ebenfalls 1120 wurde als erstes Kloster auf deutschem Boden Camp am Niederrhein von Morimond aus gegründet. Es war zusammen mit dem Kloster Altenberg im Rheinland Ausgangspunkt einer Expansion des Ordens in den Osten. Dort, vor allem östlich der Elbe, sahen auch die Zisterzienser eine neue Aufgabe darin, das Land, das sie vorfanden, urbar zu machen und zu kolonisieren: Sie rodeten Wälder, trockneten Sümpfe aus, und mittels neu entwickelter Bewässerungstechniken erschlossen sie brachliegendes Nutzland. Durch ihre landwirtschaftlichen Erfolge, die sie mit neuen Agrartechniken erreicht hatten, gelangten die Zisterzienser sehr schnell zu wachsendem Wohlstand.

Weit vom Kloster entfernt liegende Ländereien wurden durch so genannte Grangien, auf denen vorwiegend Laienbrüder (Conversen) und Lohnarbeiter (mercenarii) beschäftigt waren, bewirtschaftet und verwaltet. Mit Erstarken der Zünfte, des Städtewesens und damit des Geldverkehrs im 14. Jahrhundert brach das bisherige System der klösterlichen Eigenwirtschaft langsam ein, und die Klöster waren gezwungen, in den aufblühenden Städten Stadthöfe einzurichten, die die klösterlichen Waren vermarkteten.

Mit dem Auftreten der ersten Bettelorden im 13. Jahrhundert, die besonders in den Städten erstarkten, begann der schleichende Verfall der Zisterzienser.

Seit dem Ende des Mittelalters erlitt der Orden durch zahlreiche äußere Einflüsse große Verluste. Die Reformation löschte in England, Schottland, Skandinavien und in den zum Heiligen Römischen Reich gehörigen Niederlanden und Ungarn sämtliche Zisterzienserklöster aus, im restlichen Reich und in der Schweiz einen erheblichen Teil von ihnen.

Die französischen Klöster verarmten immer mehr, da sie die wirtschaftlichen Notwendigkeiten der Zeit auf Kosten der ursprünglichen Strenge nicht mittragen wollten. Etwa um 1600 entstand im Orden eine Bewegung, die zu einer strengeren Beobachtung der Regel zurückkehren wollte. Ursprungsort dieser Bewegung war die Abtei La Trappe in der Normandie. Diese Abtei und einige von dort besiedelte Klöster schlossen sich zu eigenen Kongregationen innerhalb des Zisterzienserordens zusammen. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts verstärkten sich die Spannungen zwischen den "Zisterziensern der Strengen Observanz", den so genannten Trappisten, und den "Zisterziensern der Allgemeinen Observanz". Man hatte sich, nicht zuletzt auch aus nationalen Gründen (die Mehrheit der trappistisch geprägten Klöster lag in Frankreich), auseinander gelebt. Schließlich trennte Papst Leo XIII. den "Orden der Reformierten Zisterzienser Unserer Lieben Frau von La Trappe" 1892 vom Zisterzienserorden ab.

Die Klöster in Frankreich und Deutschland fielen - als eine Folge der Französischen Revolution - der Säkularisation zum Opfer. Den Klöstern in Osteuropa, vor allem in Böhmen, die im 17. und 18. Jh. besonders erstarkt waren, wurde durch den Josephinismus ein jähes Ende bereitet. Das letzte eigentliche Generalkapitel tagte 1786 in Cîteaux; die Mutter aller Zisterzen wurde 1791 aufgehoben. Die wenigen von der Aufhebung verschonten Häuser mussten sich infolge äußeren Drucks der "aufgeklärten" Herrscher in der Pfarrseelsorge oder im Schulwesen nützlich machen. Das Chorgebet wurde zeitweise nicht mehr gehalten - es schien keinen gesellschaftlichen "Nutzen" zu haben.

Das erste Generalkapitel nach dem Neubeginn trat 1867 in Rom zusammen. Eine bedeutende Rolle bei der Formierung des neuen Zisterzienserordens fiel dem Kloster Mehrerau zu. Dieses ehemalige Benediktinerkloster bei Bregenz hatten 1854 aus Wettingen (Schweiz) vertriebene Zisterzienser erworben. Abt Maurus Kalkum, gebürtig aus Koblenz, nahm mutig ein Angebot des Limburger Bischofs an und erwarb das ehemalige Kloster Marienstatt, das er unter großen personellen und finanziellen Opfern wiederaufbaute.

Damit war 1888 nach einer Welle ständiger Aufhebungen und nach dem fast gänzlichen Ende des Ordens wieder ein Kloster gegründet worden.

Mit dessen Hilfe konnten 1925/27 aus dem Balkan vertriebene Mönche das Kloster Himmerod/Eifel wiederherstellen.

Weitere Gründungen/Wiederbesiedlungen in Deutschland sind das von der Mehrerau abhängige Priorat Birnau/ Bodensee (1919), Hardehausen (1927 von Marienstatt wiederbesiedelt, 1938 von der NS-Diktatur aufgelöst; die Mönche flohen nach Brasilien und gründeten dort die Abtei Itatinga), Seligenporten (1930-1967), Langwaden (Priorat, 1961) und als Fortsetzung der unterdrückten Abtei Ossegg [Tschechien] Rosenthal (Priorat, 1966) und Stiepel bei Bochum (1988 vom österreichischen Stift Heiligenkreuz gegründet).

Die vor dem Zweiten Weltkrieg herrschende Unsicherheit veranlasste mehrere Ausweichgründungen in den USA, Brasilien und Bolivien. Auch in den Kolonien einiger europäischer Länder wurde zisterziensisches Leben eingepflanzt, das heute blühend gedeiht, so 1918 in Vietnam und in den 30er Jahren in Eritrea / Äthiopien. Nach dem Krieg konnten weitere Niederlassungen in Übersee entstehen, durchweg mit Hilfe aus Europa.

1933 gaben sich die Zisterzienser neue, den veränderten Zeitverhältnissen Rechnung tragende Konstitutionen (ebenso noch einmal 1981). Sie versuchen, das in den verschiedenen Kongregationen unter je verschiedenen gesellschaftlichen, sozialen und politischen Bedingungen ausgeprägte geistliche Leben in den Klöstern von den gemeinsamen Wurzeln her zu definieren.

Heute gliedert sich der Orden in 13 Kongregationen mit 88 Männerklöstern (1513 Mönche) und 63 Frauenklöstern (1016 Nonnen). Damit machen Zisterzienserinnen und Zisterzienser etwa ein Zehntel aller weltweit nach der Regel des hl. Benedikt lebenden Mönche und Nonnen aus.

Hier gelangen Sie zur CISTOPEDIA - Encyclopaedia cisterciensis (einer zisterziensischen Enzyklopädie), dem gemeinsamen Projekt der Zisterzienserfamilie: www.ocist.de


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