:GEMEINSCHAFT
GEMEINSCHAFT : GEBETSZEITEN UND CHORAL
Chorgebet

Die Hauptform des Gebets in einem Kloster nach der Regel Benedikts ist das gemeinsame Chorgebet.
Es enthält zu den einzelnen Gebetsstunden (Horen) die Psalmen des Alten Testaments, Hymnen (Lieder), Responsorien (Wechselgesänge) und weitere Lesungen und Gesänge aus den Schriften des Alten und Neuen Testaments. Wie in den Horen, so werden auch die Texte der Eucharistiefeier in der Jahrhunderte alten gregorianischen Weise gesungen - im Rhythmus der Tage und Wochen, im Festkreis des Kirchenjahres.

Das Stundengebet ist eine heute eigentümlich wirkende Art des Betens, die jedoch ursprünglich das Gebet der ganzen Gemeinde und kein Privileg der Klöster war. Stundengebet heißt Zeit haben für Gott, für die Menschen, für die Brüder und Schwestern, mit denen man betet, für sich selbst.

Als Gebetssprache hat sich in Marienstatt bis heute das Lateinische erhalten.

Vigilien (lat. vigilia - das Wachen, die Nachtwache)
[bzw. Matutin (lat. matutinus - morgendlich)]
Das Gebet in der Nacht eröffnete die Gebetszeiten eines Tages. Die Vigilien endeten ursprünglich bei Sonnenaufgang mit dem Lobpreis. Diesen morgendlichen Lobpreis nannte man Matutin und später entwickelte sich als selbstständiger Bestandteil daraus die Laudes. Seit dem 12. Jahrhundert verlegte man die Vigilien auf die frühen Morgenstunden oder rückte sie auf die Zeit vor Mitternacht hinauf. Daraus entstand vielerorts der Brauch, die Vigilien schon am Vorabend zu halten. Dieser Brauch ist in Marienstatt bis heute erhalten, zudem wird die Matutin hier mit der Komplet kombiniert.

Die Matutin umfasst an Werktagen zwei Nokturnen (lat. nocturnus - nächtlich), aufgeteilt in erste und zweite Woche mit je drei Psalmen und entsprechenden Lesungen. Die Feste und Hochfeste haben eigene Psalmen und Lesungen. Die Einteilung in Nokturnen entspricht dem römischen Rhythmus der Nachtwache, die alle drei Stunden wechselte.

An Sonn- und Feiertagen ergänzt eine dritte Nokturn mit feierlichen Antiphonen und Responsorien die Vigilien; sie schließen mit dem "Te Deum" und dem Evangelium des Tages.

Laudes (lat. laus - Ruhm, Lobgesang)
Die Laudes stellen am Morgen entsprechend der abendlichen Vesper einen Angelpunkt des Stundengebetes dar. Nach alter Überlieferung gedenkt man besonders der Auferstehung Christi. Dem eigentlichen Morgengebet wird in Marienstatt das Invitatorium (Gebetseinladung) "Herr öffne meine Lippen, damit mein Mund dein Lob verkünde" mit Psalm 95 vorangestellt. Dieser Psalm eröffnete ursprünglich die nächtlichen Vigilien. Die Laudes bestehen täglich wechselnd aus zwei Psalmen und dem Canticum des Alten Testaments, das im Winter und Sommer wechselt. Es folgt einer der Lobpsalmen (Psalm 148-150), eine Lesung, ein Wechselgesang (Responsorium), ein Hymnus und als Kernstück der neutestamentliche Lobgesang des Zacharias (Lk 1, 68-79); auf ihn folgen das "Kyrie eleison" (Herr, erbarme dich), das Vaterunser und das Schlussgebet.

Die Laudes werden mit einem Gesang zu Ehren der Gottesmutter beschlossen: Sub tuum praesidium confugimus, sancta Dei genitrix. - Unter deinen Schutz und Schirm fliehen wir, heilige Gottesgebärerin.

Prim, Terz, Sext und Non
(lat.: prima, tertia, sexta, nona -
die erste, dritte, sechste, neunte Stunde)
Die so genannten kleinen Horen waren nach römischer Tageseinteilung die Gebete zur ersten, dritten, sechsten und neunten Stunde des Tages, beginnend mit Sonnenaufgang - also etwa um 6, 9, 12 und 15 Uhr.
In Marienstatt werden sie in der Mittagshore zusammengefasst. An deren Ende steht täglich das Gedächtnis der verstorbenen Marienstatter Mitbrüder und Wohltäter aller Jahrhunderte mit Psalm 129 (130).

Vesper (lat.: vespera - abends, zur Abendzeit)
Der liturgische Abendgottesdienst ist einer der ältesten und wichtigsten Teile des Stundengebetes. Die Vesper als gemeinsames Abendgebet ist sicher älter als das christliche Mönchtum und hat ihren Ursprung im Abendopfer des jüdischen Tempeldienstes (Ex 30,8).
Die Vesper dankt für den endenden Tag und für die empfangenen Heilstaten Gottes.

Der Aufbau der Vesper ist dem der Laudes ähnlich; es werden allerdings vier Psalmen und als neutestamentlicher Lobgesang das Magnificat (Lk 1, 46-54) gesungen. Die Vesper endet mit einem Gesang zu Ehren der Gottesmutter, der so genannten marianischen Antiphon, die je nach Festkreis im Jahresverlauf wechselt. In Marienstatt besucht der Konvent zum Schluss außerdem das Gnadenbild mit der Schmerzhaften Muttergottes und singt dort das römische "Salve regina".

Komplet (lat.: completus - erfüllt, vollendet)
Die letzte Gebetsstunde ist das Nachtgebet. In Marienstatt wird es an die vorgezogene Matutin des nächsten Tages angeschlossen. Die Psalmen der Komplet sind im Zisterzienserorden immer gleich. Die Komplet beginnt mit dem Lesesegen und einer Kurzlesung; es folgen die Psalmen 4, 91 (90) und 134 (133). Dann folgt immer der gleiche Hymnus. Mit einem kurzen Kapitel (Jer 14,9), dem Vaterunser, den Schlussgebeten und dem zisterziensischen "Salve Regina", dem Gruß an die Gottesmutter, schließt die Komplet. Zum Abschluss wird der "Angelus" ("Engel des Herrn") in Stille mit Glockenzeichen gebetet, dann gehen die Mönche mit dem Segen des Abtes in die Nacht.


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