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Rückschau

aus der Buch- & Kunsthandlung

Vortrag von Pater Andreas Knapp


„Sie haben alles verloren, nur nicht ihren Glauben.“

Trotz des eisigen Windes fanden am Sonntag, dem 18. März ihren Weg nach Marienstatt, um dort den Schilderungen P. Andreas Knapps zu lauschen. Bereits zu Beginn machte sich in dem Publikum von etwa 50 Menschen, Betroffenheit breit. Nachdem P. Andreas Knapp zunächst seine erste Begegnung mit einer christlichen Flüchtlingsfamilie aus Mossul schilderte, zeigte er ein Foto einer, von Extremisten zerbombten christlichen Kirche, dessen Architekt der Vater der Familie war. Von 8 Kirchen, die er mit viel Liebe zum Detail entworfen hat, ist nur eine einzige den Bomben nicht zum Opfer gefallen. Der Anblick der Fotos löste unter den Zuhörern Bestürzung aus, denn größtenteils stammen diese aus dem Fundus der besagten Flüchtlingsfamilie, die P. Andreas Knapp ihre Geschichte erzählte. Nachdem er sich schließlich die Frage stellte, warum er als Priester wenig über die tatsächliche Situation der Glaubensschwestern und –brüder im Nahen Osten weiß, hat er sich dort auf Spurensuche begeben, um den Schicksalen und erschütternden Berichten eine Stimme zu geben, damit die Geschichten dieser Menschen nicht vergessen werden. So las er zunächst die Geschichte seines Begleiters vor, der mithilfe von Schleusern unter menschenunwürdigen Umständen flüchten musste – denn sein Ausweis, der ihn als „Christ“ brandmarkt, wäre nicht nur sein Todesurteil gewesen, sondern auch das seiner Familie. Untermalt wurden die schockierenden Berichte von Frater Augustinus an der Geige.

Im nächsten Teil ging er auf die Geschichte des Christentums im Nahen Osten ein, welches ursprünglich dort seinen Anfang nahm, wo es im Laufe der Zeit zu einer Minderheit wurde und jetzt vertrieben wird. Jahrelang lebten die Christen dort unter islamischer Herrschaft und konnten ihre Religion frei ausüben. Doch nach und nach – mit wechselnden Herrschern – wuchs der Druck auf diese Gruppe und so mussten sie als Folge zunächst eine Kopfsteuer zahlen, um weiterhin ihre Religion ausüben dürfen. 1915 erreichte die Situation einen ersten grausamen Höhepunkt. Nach dem Völkermord an den Armeniern gab es ab sofort nur noch eine Möglichkeit für dortige Christen: zum Islam konvertieren oder die Männer werden brutal getötet, die Frauen vergewaltigt und die Kinder bei lebendigem Leib verbrannt. Genau 100 Jahre später wird dem Christentum im Nahen Osten der Todesstoß verpasst. Doch P. Andreas Knapp betont die bewundernswerte Treue dieser Menschen zu ihrem Glauben, durch die sie es vorzogen alles zu aufzugeben und ihre Heimat zu verlieren.

Nachdem Frater Augustinus mit der Geige den zweiten Teil des Vortrages meditativ abschloss, ging P. Andreas Knapp im dritten Teil auf die Ursachen bzw. auf die Frage, was wir tun können, ein. Zunächst hat seiner Analyse nach, die westliche Politik einen großen Anteil an der Misere, denn solange sich der Westen durch Waffenlieferungen mit radikalen Gruppen bzw. Ländern wie zum Beispiel Saudi Arabien verbünde, gäbe es keinen Ausweg. Zudem müsse man als christlich geprägtes Land den christlichen Flüchtlingen signalisieren, dass sie in Deutschland eine kirchliche Heimat hätten und sie als Randgruppe / Minderheit schützen. Doch so schlimm die Situation auch sei, diese Menschen brächten uns auch einen großen Schatz mit in unser Land, in dem der christliche Glaube zu einer Randerscheinung avanciert ist, so Knapp. Neben ihrer großen und tiefen Treue zu ihrem Glauben, können wir von ihnen noch lernen, wie die Christen vor 2000 Jahren lebten, aus denen sich nach und nach die Gemeinden bildeten und zu unseren kulturellen Wurzeln wurden. P. Andreas Knapp ist es gelungen, Licht ins Dunkel der, von ihm viel kritisierten einseitigen Berichterstattung seitens der Medien zu bringen und für mehr Verständnis zu sorgen, wie die angeregte Diskussionsrunde am Schluss des Vortrags zeigte.


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