Logo

Rückschau

vom Forum e.V.

„Marienstatt und die Reformation – monastisches Leben im Zeitalter des konfessionellen Wandels“


Luther und andere Reformatoren haben Marienstatt eher nicht gekannt. Ihre Lehren und die späteren Konflikte zwischen Katholiken und Protestanten hatten jedoch auch Folgen für die Mönche in Marienstatt. Besonders interessant waren auch die Vergleiche mit anderen Klöstern.

 „Marienstatt und die Reformation – monastisches Leben im Zeitalter des konfessionellen Wandels“
Unter diesem Titel lud das Forum Abtei Marienstatt e.V. am 16. November 2017 zu einem Vortragsabend mit dem Hachenburger Stadtarchivar Dr. Jens Friedhoff in die Annakapelle ein. Über 60 Besucher, darunter fast der komplette Konvent, folgten der Einladung. Anlass für diesen Vortrag war das Lutherjahr zum Gedenken an den Thesenanschlag des Reformators vor 500 Jahren, das nicht nur die evangelische Kirche in diesem Jahr beging.

Der Referent erläuterte in seinen Ausführungen, die er mit vielen Bilder und textlichen Darstellungen unterfütterte, die gravierenden Folgen der Reformation für das Leben und Wirken der Mönche in Marienstatt. Dabei waren Marienstatt und seine Umgebung eingebettet in die Entwicklung in Deutschland und Europa. Die Erfindung des Druckes mit beweglichen Lettern durch Gutenberg war neben den religiösen Anliegen der Reformatoren ebenso Voraussetzung für den Erfolg der Reformation wie machtpolitische Überlegungen der Fürsten, die größere Unabhängigkeit vom Kaiser in Wien und eine Stärkung ihrer Finanzlage durch die Übernahme von Kirchengut anstrebten.

 In der Grafschaft Sayn, auf deren Gebiet die Abtei Marienstatt lag, wurde so das lutherische Bekenntnis 1560/61 eingeführt. Schrittweise entstand eine evangelische Landeskirche unter der Oberhoheit des Landesherrn, dem als beratendes Gremium die Synode zur Seite stand. Die Bräuche aus katholischer Zeit bestanden oftmals noch geraume Zeit weiter. Dem frühen landgräflich hessischen Beispiel folgend, griff der Landesherr auf kirchliche Güter und Rechte zurück, was zwangsläufig zur Konfrontation mit den geistlichen Institutionen führte. 1605 erfolgte ein weiterer Wechsel von der lutherischen zur reformierten Konfession.
Konkret bedeutete dies für Marienstatt, dass sich die Landesherrschaft bereits 1563 nach dem Tod des Abtes entgegen den Ordensstatuten in die Wahl eines Nachfolgers einmischte. Die Versuche, auf das Kloster Einfluss zu nehmen gingen weiter. Um eine Rückkehr des nach Koblenz verbrachten Archivs zu erreichen, wurde der Abt unter Druck gesetzt und für das Kloster eine Art Zwangsverwaltung eingerichtet. 1568 hatte der Landesherr schließlich Erfolg. Der Konvent spaltete sich. Abt und ein Teil der Mönche mussten zeitweise Zuflucht auf Marienstatter Klosterhöfen in Koblenz, Andernach oder Dorchheim suchen. Um sich gegen die drohende Auflösung zu wehren, erhob der Abt 1573 Klage beim Reichskammergericht in Speyer und im Folgejahr beim Reichshofrat in Wien. Die Streitigkeiten endeten zunächst durch einen 1582 in Andernach geschlossenen Vergleich, der vorsah, dass der Abtei die Freiheit der Religionsausübung für Konvent und die Bediensteten in den angrenzenden Dörfern gewährt wurde. Zudem wurden Kleinodien und Urkunden wieder herausgegeben. Im Gegenzug verpflichtete sich die Abtei zur Lieferung von Klosterwein und erlaubte, dass der Landesherr über die Besetzung der Pfarrstelle in Kirburg entscheiden durfte, während die Abtei Grundherr blieb. Die Umsetzung dieses Vergleiches blieb jedoch auch in den Folgejahren schwierig. Vielfach musste Marienstatt um die Hilfe der Kurfürsten von Köln bzw. Trier nachsuchen.

 In einem zähen Ringen konnte aber im Unterschied zu der Situation an anderen Orten der Bestand der Abtei zwar gesichert werden, dies jedoch unter vielen Opfern, insbesondere auch wirtschaftlicher Art. Exemplarisch zeigte Dr. Friedhoff dies an dem Zisterzienserinnenkloster Gnadenthal im Taunus, das noch 1566 einen Mönch aus Marienstatt als Beichtvater erhielt, wenige Jahre danach aber in ein Damenstift umgewandelt wurde.
Nach einiger angeregten Diskussion mit den Zuhörern konnte sich der Vorsitzende des Forums mit einer guten Flasche Wein beim Referenten bedanken.
Viele der Besucher zeigten sich sehr angetan von dem Vortrag und äußerten den Wunsch, mit anderen Themen dies fortzusetzen.


Zurück