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vom Forum e.V.

Die Eschenallee: gestern – heute – morgen


Sie gehört zu den markantesten Alleen im Westerwald, ist vielleicht sogar die bekannteste: die Marienstatter Eschenalle.

Fragt man Menschen, die Marienstatt erleben haben, was ihnen in Erinnerung geblieben ist, so gehört die Allee zwischen Pfortenhaus und Basilika sicher zu den Punkten, die besonders oft genannt werden.
Kann sich eigentlich jemand vorstellen, dass die Eschenallee nicht mehr besteht? Dann fehlt ja etwas, was man mit dem Ort verbindet, was scheinbar schon immer dazu gehört hat.
Scheinbar! Denn wie alles, hat auch die Allee, haben ihre Alleebäume auch ihre Geschichte:
Wir wissen nicht, wann die erste Allee entstanden ist, die den Weg zur Abteikirche wies. Unterlagen aus dem Mittelalter sind nicht mehr vorhanden. Es ist jedoch recht wahrscheinlich, dass schon früh eine Allee in der Sichtachse zwischen alter Nisterbrücke und Kirche. Denn eine Allee ist neben dem Naturdenkmal auch ein Kulturdenkmal. und wird seit je her dazu genutzt, wie mit einem ‚Tunnelblick‘ auf etwas Wichtigeres, am Ende Liegendes hinzuweisen, so wie auch hier in Marienstatt mit der Gotteshaus, die die Menschen ruft, Gott zu loben, mit ihm in Zwiesprache zu treten.
 Das erste Dokument, das zweireihige Bäume in Kugelform zwischen Pforte (das Pfortenhaus existierte damals noch nicht) und Kirche zeigt, ist der Kupferstich aus dem Jahr 1718, der im Übrigen das mittelalterliche Kloster mit der barocken Gartenanlage neben der Allee zeigt.
 Mitte des 19. Jahrhunderts, genau 1856, – die Abtei ist säkularisiert – zeigt sich ein völlig anderes Bild. Die Fläche zwischen Kirche und Pfortenhaus, Barockgartenmauer und Pfarrflügel ist leer. Es fehlen sowohl Bäume also auch die Mauern zum Abteihof und vor dem Pfarrflügel bzw. in deren Verlängerung bis zum Pfortenhaus.
 Auf einer Fotografie aus dem Jahr 1881 findet sich eine zweireihige Allee mit Nadelbäumen, die zur Mitte hin gestutzt sind, während sie nach außen frei wachsen. Auch ist bereits die hohe Mauer zum Abteihof vorhanden, die an die nordwestliche Ecke des Pfarrflügels ansetzt und wie heute – unterbrochen durch den Durchgang zum Abteihof – bis zum Pfortenhaus reicht.
 Das zwischen der Wiederbesiedlung 1888 und 1896 entstandene Foto lässt erkennen, dass die Nadelgehölze entfernt sind. Sie wurden ersetzt durch kleine Bäume mit einer kugelförmigen Krone, die noch an einem Pfahl festgebunden sind.
Wenige Jahre später sind offenbar noch immer die gleichen Bäume vorhanden. Sie haben aber an Größe zugelegt, wie sich auf dem letzten Bild zeigt.
 Möglicherweise waren es bereits Eschen, die im späten 19. Jahrhundert gepflanzt wurden. Ob es sich bei ihnen um die Bäume handelt, die heute noch stehen, lässt sich nicht mit Bestimmtheit sagen. Es wird immer wieder Bäume gegeben haben, die ersetzt werden mussten. Darauf weisen schon die unterschiedlichen Formen und Umfänge der Stämme hin. Fragt man beispielsweise Abt em. Dr. Thomas Denter O.Cist, der zu den Personen gehört, die Marienstatt am längsten kennen (Man kann hier sicher von 75 Jahren ausgehen.), so erinnert er sich, dass die Allee immer Eschen in der heutigen Größe gehabt hat. Über viele Jahre und Jahrzehnte haben sie die Menschen aus nah und fern mit ihrem knorrigen Aussehen in gleich welcher Jahreszeit erfreut, sei es dass sie im Winter mit Schnee überzuckert waren, im Frühjahr mit dem Austrieb neues Leben ankündigten, im Sommer Schatten spendeten oder im Herbst Kinder erfreuten, die durch das raschelnde Laub gingen.
 Doch, sie machen uns seit Jahren Sorge. Prior P. Martin Pfeiffer hat im Frühjahr 2019 dazu aufrüttelnde Texte unter der Überschrift „Die Klage der Eschen“ gleichsam als Manifest an die Bäume geheftet, in denen er den Baum beschreibt, die Bedeutung der Baumart und deren Nutzung darstellt, ehe er auf den aktuellen Zustand der Eschen eingeht und schließlich die Bedeutung von Bäumen als Teil des göttlichen Schöpfungswerkes darstellt.
Eine ganze Reihe der Eschen sind bereits abgestorben, fast alle anderen mehr oder weniger krank. Es erscheint zweifelhaft, ob überhaupt einer der Bäume dauerhaft wird überleben können.
Selbst die Bäume, die scheinbar noch gesund aussehen, sind im unteren Bereich hohl. Der Kern bis in den Wurzelbereich ist weich und krümelig, lediglich ein etwa 3 – 4 cm dicker Ring mit Borke, Bast, Kambium und Splintholz ist noch vorhanden.
Andere Bäume haben bereits keine Wurzeln mehr und lagern nur noch auf dem oberflächlichen Wurzelteller, drohen umzufallen oder Teile können abbrechen.
 Die Ursachen sind vielfältig und in ihrer Kombination tödlich:
• Da ist zum einen das seit einigen Jahren in Mitteleuropa grassierende Eschentriebsterben, eine aus Asien kommende Pilzinfektion, die eine Schlauchpilz namens “Falsches weißes Stengelbecherchen“ verursacht. Dieser Pilz befällt zunächst die Blätter und Triebe der Bäume und greift später dann auf den ganzen Baum über. Triebe und Zweige in der Baumkrone sterben ab. Der Baum reagiert mit der Bildung von Wasserreisern. Fortschreitend leidet der Baum an Infektion an der Stammbasis mit sog. Stammfussnekrosen, die sich in borkenlosen Stellen zeigen. Auch wird der geschwächte Baum leicht vom Hallimasch-Pilz befallen. Möglichkeiten, das “Falsche weiße Stengelbecherchen“ zu bekämpfen gibt es nicht.
• Die Bäume sind in ihrer Mehrheit bereits alt, wobei durch das regelmäßige Zurückschneiden in der Vergangenheit der Baum tendenziell in seiner Entwicklung eher geschwächt als gefördert wurde. Ihr Lebenszyklus neigt sich dem Ende zu.
• Schließlich dürften die heißen Sommer in der Vergangenheit und die häufig damit einhergehende Trockenheit den Bäumen auch eher geschadet als genutzt haben.
 Bereits aus Gründen der Verkehrssicherheit ist Handeln geboten:
Die bisherigen Bäume müssen möglichst rasch entfernt werden.
Der Weg zwischen Pfortenhaus und Basilika soll weiterhin von einer markanten Allee gesäumt werden, wobei eine Neuanpflanzung mit Eschen wegen der oben geschilderten Problematik ausscheidet. Gesucht wird eine andere Baumart, die folgende Kriterien erfüllen muss:
• Hochstamm mit kleiner Krone, die weitgehend kompakt bleibt,
• Pfahl- oder Herzwurzler, damit die Wege nicht durch Wurzelhub uneben werden,
• eine möglichst einheimische Baumart, die an die Boden- und Klimabedingungen gewöhnt ist.
Derzeit ist die Suche noch nicht abgeschlossen.
Im Zuge der Neupflanzung soll auch die Beleuchtung der Allee erneuert und auf energiesparende LED-Lampen umgestellt werden. Wir hoffen, dass das bisherige Pflaster beim Entfernen der Bäume zumindest weitestgehend erhalten bleiben kann. Notwendig wird jedoch, die seitlichen Begrenzungssteine zu den Seitenflächen neu zu setzen. Sie sind bereits heute überwiegend lose. Auch wird überlegt, aus Gründen der besseren Befahrbarkeit für Rollstuhl- oder Rollatorfahrer auf einer Seite zwischen Bäumen und Mauer eine Fahrspur aus Steinplatten anzulegen.
Die Planungen laufen. Ihre Umsetzung kann hoffentlich noch in diesem Jahr beginnen. Wir werden Sie auf dem Laufenden halten.


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