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Rückschau

vom Forum e.V.

„… für das Kloster und die Kirche und den Staat“


Es war ihm sicher nicht in die Wiege gelegt, Abt von Marienstatt zu werden. Abt Konrad II. Kolb O.Cist hat jedoch viel für den Aufbau des wiederbesiedelten Klosters geleistet, wie Klosterarchivar Jörg Ditscheid den Mitgliedern des Forums Abtei Marienstatt berichteten konnte.

 Anlass war der 100. Todestag des zweiten Marienstatter Abtes nach der Rückkehr der Zisterzienser ins Tal der Nister,
Abt Konrad, der den Taufnamen Franz Xaver trug, wurde 1852 in einem Dorf nahe Leutkirch in Oberschwaben in eine Kleinbauernfamilie geboren. Als Kind besuchte er die Klosterschule der Zisterzienserabtei Mehrerau, trat mit 17 Jahren in Kloster ein und wurde 1874 zum Priester geweiht.
In den Folgejahren war er als Lehrer und Beichtvater in Mehrerau bzw. den Frauenklöstern in Wurmsbach und Eschenbach, aber auch als Verwalter in Mehrerau tätig.
Als Gründungsabt Dominikus Willi 1898 Bischof von Limburg wurde, war Konrad Kolb sein Wunschnachfolger, obwohl dieser Marienstatt kaum kannte.
 Jörg Ditscheid schilderte sehr anschaulich auch die Bedenken von Konrad Kolb, überhaupt eine solche Wahl anzunehmen. Der Erwählte zeigte sich dann aber bereits sehr erfreut und für die Zukunft positiv gestimmt von der herzlichen Aufnahme im Kloster. Am 3. September 1898 erfolgte seine eigene Installation und am 11. September spendete ihm sein Amtsvorgänger die feierliche Benediktion.
Als Abt versprach er, sich „für das Kloster und die Kirche und den Staat“ einzusetzen.
Rückblickend – so stellt Jörg Ditscheid mit vielen Bildern und Dokumenten fest – hat er dies in den nächsten beiden Jahrzehnten auch mehr als erreicht: „Mit Klugheit und Umsicht“, wie es im Nachruf geheißen habe, sei es ihm gelungen, „die finanziellen Schwierigkeiten zu überwinden und das mehr und mehr aufblühende Kloster auf sichere Füße zu stellen“.
In der Kirche wurde die neugotische Ausstattung komplettiert und eine neue Orgel errichtet. Er ließ die Wohnbereiche renovieren und mit Licht, Wasser und Heizung ausstatten. Der Kreuzgang wurde erneuert
 Zur Förderung der wissenschaftlichen Bildung seiner Konventualen ließ er 1909 eine neue Bibliothek als rechten Flügel der Klosteranlage erbauen und komplettierte so den Bauplan aus dem 18. Jahrhundert. Dabei war er für moderne Bautechniken offen. Der Seitenflügel ist eine der ältesten Betonbauten im Westerwald. Im Herbst 1910 eröffnete er – statt der 1908 wegen Unwirtschaftlichkeit geschlossenen Bierbrauerei – eine sechsklassige Oblatenschule zur Gewinnung und Ausbildung des Ordensnachwuchses. Das dazu notwendige Gebäude wurde mitten im 1. Weltkrieg fertig gestellt. Die St.-Anna-Kapelle wurde dabei erweitert und aufgestockt.
Er kümmerte sich auch um die wissenschaftliche Ausbildung der Mönche, die an der Schule unterrichten sollten. Er entsandte aber auch Mönchen in die Pfarrseelsorge der Umgebung und förderte die Wallfahrt.
Die letzten Jahre waren überschattet vom 1. Weltkrieg, in dem viele Konventsmitglieder als Soldaten eingezogen waren und das Pfortenhaus zum Lazarett wurde.
Er starb nach 20-jähriger Regierung am 21. Mai 1918 im Krankenhaus Dernbach an den Folgen einer Bruchoperation und wurde vier Tage später auf dem Klosterfriedhof beigesetzt.
Zusammenfassend stellt Jorg Ditscheid fest, dass Abt Konrad zwar etwas im Schatten seines großen Vorgängers Dominikus Willi, des 1. Abtes der Neugründung von Marienstatt, steht, gleichwohl hat er in den zwei Jahrzehnten seines Wirkens als Marienstatter Abt dafür gesorgt, dass sich der junge Konvent weiter festigen konnte. Seine Tätigkeit hat Spuren hinterlassen, die auch heute noch feststellbar und für Marienstatt prägend sind.
Starker Applaus der Zuhörer und der Dank des Vorsitzenden Friedrich Esser, zeigten, dass Jörg Ditscheid die hohen Erwartungen des Publikums mehr als erfüllt hatte.


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