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Rückschau

vom Forum e.V.

Themenspaziergang 2019 zur Alten Nisterbrücke und zur Eschenallee


Die Wege waren in diesem Jahr für die etwa 50 Mitglieder und Freunde des Forums beim Themenspaziergang kurz, denn die Ziele bilden den unmittelbaren Zugang zu Basilika und Abtei.

Auf dem Programm standen am 6. Juli nämlich die Sanierung der alten Nisterbrücke und der Zustand der Eschenallee und die dazu abzuleitenden Folgerungen.
 Die historische Nisterbrücke ist einer der meistfotografierten Orte im Tal der Nister und im Westerwald insgesamt. Ihr romantisches Bild mit Wasser, Bäumen und Steinen ziert so manches Titelbild. Wann sie entstand ist nicht völlig geklärt. Ein Vorgänger wird 1478 genannt als Übergang für den mittelalterlichen Handelsweg „Leipziger Straße“ von Köln aus durch den Westerwald. Die Abtei erhielt bereits im 13. Jahrhundert einen Teil des Brückenzolls. Ob er die heutige Stelle betraf, bleibt offen, wo zumindest seit dem späten Mittelalter der feste Übergang war. Zwischen 1721 und 1734 wurde die Brücke vom damaligen Abt unter Verwendung der vorhandenen Fundamente in der heutigen Gestalt mit vier Durchflussbögen erneuert. Für das Mauerwerk wurden verschiedene Steine verwendet, die man in der Umgebung fand, darunter Trachyt, Grauwacke, Schiefer und Basalt. Das Mauerwerk an der Brüstung besteht aus einer senkrechten Steinschicht.
Jahrhunderte hindurch bot sie bis zum Bau der Neuen Brücke vor ca. 50 Jahren die einzige Möglichkeit im Bereich von Marienstatt trockenen Fußes von einem Ufer der Nister zum anderen zu gelangen. Gerade nach dem zweiten Weltkrieg hat sie besonders gelitten, als sie mit Lastwagen oder Autobussen befahren worden ist.
 Die Brücke ist aber auch im wahrsten Sinne des Wortes ‚in die Jahre gekommen‘, wie der Projektmanager im Landesbetrieb Bau LBB, Dipl.-Ing. Architekt Christoph J. Schiewek, dem Verantwortlichen für vom Land Rheinland-Pfalz finanzierte Sanierung, und Manfred Schumacher als örtlicher Bauleiter, den Besuchern deutlich machten. Zwar seien die Fundamente aus Eichenholz, die sicher im Wasser lagern, in einem recht guten Zustand, Sorge habe jedoch der Bau oberhalb davon gemacht. Steine seien durch den Wasserdruck ausgebrochen, Wurzelwerk und Erdreich seien in das Mauerwerk eingedrungen und hätten es gelockert. Teilweise habe man armdicke Wurzeln entfernen müssen. Die starken Belastungen in der Vergangenheit hätten das Mauerwerk gedehnt und teilweise nach außen gedrückt. Problematisch sei auch, dass Wasser von oben durch den mangelhaften Unterbau des Pflasters in das Mauerwerk dringe. Insgesamt seien die Schäden wesentlich größer als man zuvor angenommen habe, was den ursprünglich geplanten Zeitrahmen sprenge, so dass erst im kommenden Jahr der zweite Bauabschnitt in Angriff genommen werden soll.
Mittlerweile ist der Teil zur Müschenbacher Seite neu verfugt, wobei man im Wesentlichen den Trass-Kalk-Mörtel verwendet hat, der bereits für die Außensanierung der Basilika entwickelt worden ist und der mit sehr hohem Druck unter Verwendung von möglichst geringen Wassermengen in die zuvor gesäuberten Fugen gepresst wird. Lediglich im feuchten unteren Bereich sei ein höherer Härtegrad verwandt worden, um Auswaschungen zu verhindern.
 Neu aufgebaut werden mussten die höchst schadhaften dreieckigen „Eisbrecher“ am Oberstrom, die eine Abdeckung aus breitfugig verlegtem Schiefer erhalten haben. Schiewek wies ausdrücklich darauf hin, dass die Oberfläche mit einem Moosanstrich behandelt wird. Eine Bemoosung ist demnach ausdrücklich gewünscht, um Temperaturspitzen, die die Steine zum Platzen bringen können, abzufedern. An die Eisbrecher werden auch Kanten aus Edelstahl und Eichenholzstämme als Prellböcke angebracht werden, um Schäden durch Treibgut zu verhindern. Neu aufgebaut werden mussten auch die bienenkorbartig aussehenden Vorbauten am Unterstrom, die ein Gegengewicht zu den Eisbrechern darstellen.
 „Zusammengehalten“ werden soll die Brücke in Zukunft durch quer eingebaute Edelstahlstangen, die an den Enden verschraubt werden. Die entsprechenden Anker aus dem 18. Jahrhundert bleiben außen sichtbar erhalten.
Die Besucher zeigten sich erstaunt und erfreut über die durchgeführten Arbeiten und deren Umfang und dankten den Herren Schiewek und Schumacher für die ausführlichen Informationen, verbunden mit der Hoffnung, dass das Land weitere Mittel zur Verfügung stellt, um die Sanierung möglichst rasch zu vollenden.

 Die Eschenallee und ihr beklagenswerter Zustand bildeten den anderen Schwerpunkt des Themenspazierganges. Sie gibt ab dem Pfortenhaus den Weg zur Basilika vor und führt die Besucher von Marienstatt auf das Wesentliche des Gnadenortes, den Ort des Gebetes.
Die Allee besteht seit mehr als 100 Jahren. Die Bäume sind inzwischen überwiegend in einem beklagenswerten Zustand. Bedingt durch hohes Alter, die Trockenheit und insbesondere durch das „Eschentriebsterben“ sind alle Bäume mehr oder weniger stark geschädigt. Weil es kein Mittel gegen die Erkrankung gibt, kann die Allee in der jetzigen Form nicht gerettet werden.
 Prior P. Martin hat schon vor einigen Monaten mit erläuternden und aufrüttelnden Texten, die er auf Tafeln an die Bäume geheftet hat, auf diese Tatsache hingewiesen.
Friedrich Esser, als früherer Leiter des forstlichen Bildungszentrums ein Experte, stellte das Ausmaß der Schäden dar:
Da gibt es Bäume, die bereits völlig abgestorben sind und auch ihre Standfestigkeit verloren haben, so dass sie auch Gründen der Verkehrssicherung entfernt werden mussten, gibt es auch Bäume, die in diesem Jahr noch üppig ausgetrieben haben.
 Kurz vor dem Rundgang waren einige Bäume auf der linken Seite gefällt worden, darunter auch ein scheinbar noch gesundes Exemplar. Die Überraschung war aber groß, als der Baum lag. Bis ca. 1 Meter Höhe war der Kern des Baumes hohl bzw. bröselig, so dass das Innere mit bloßen Händen herausgenommen werden konnte. Gehalten wurde die Krone nur noch von einem lediglich etwa 3 – 4 cm dicken Ring mit Borke, Bast, Kambium und Splintholz. Höchst eindrucksvoll war auch die Hörprobe, als Esser mit einem Hammer gegen einige andere Bäume schlug, die ebenfalls noch belaubt waren. Sie klangen alle hohl – ein deutliches Zeichen, dass auch sie erkrankt sind. Eindrucksvoll war auch der Anblick der Bäume, die bereits entfernt sind und im Konventgarten lagern.
Notwendig wird es sein, alle Bäume zu entfernen. Eine Allee soll jedoch weiterhin den Besuchern von Marienstatt den Weg zur Basilika weisen. Neue Bäume sollen gepflanzt werden. Es kann jedoch keine Esche sein, da das „Eschentriebsterben“ auch diese Bäume befallen würde. Bisher stehen einige Alternativen in der Überlegung.
 Friedrich Esser wies aber auch darauf hin, dass mit einer Neupflanzung auch andere Maßnahmen an der Allee durchgeführt werden müssten: eine Verbesserung der Beleuchtung, die sichere Befestigung der Randsteine zwischen Pflaster und gesplitteten Seiten. All das wird erhebliche finanzielle Mittel erfordern, die die Abtei allein nicht stemmen kann. Das Forum will Abt und Konvent bei der Maßnahme unterstützen und wird sich bemühen Spenden für die Allee zu sammeln. Dabei wenden wir uns an alle Freunde und Förderer Marienstatts.
Tragen auch Sie durch eine großzügige Spende ihren Teil dazu bei, damit die Erneuerung möglichst rasch beginnen kann. Die Kontoverbindung des Forums lautet:
IBAN: DE45 5735 1030 0000 1308 98
BIC: MALADE51AKI

Nähere Informationen zur Geschichte der Eschenallee, der heutigen Situation und deren Ursachen sowie den geplanten Maßnahmen finden die in dem Beitrag „Die Eschenallee: gestern – heute – morgen“ auf dieser Homepage.


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