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aus der Abtei

3. Sonntag der Osterzeit


Messtexte und Impuls

TEXTE DER HEILIGEN MESSE

Introitus (Eröffnungsvers)

Jauchzt vor Gott, alle Menschen der Erde, halleluja!
Spielt zum Ruhm seines Namens, halleluja!
Verherrlicht ihn mit Lobpreis,
halleluja, halleluja, halleluja!

Oration

Allmächtiger Gott,lass die österliche Freude in uns fortdauern, denn du hast deiner Kirche neue Lebenskraft geschenkt und die Würde unserer Gotteskindschaft in neuem Glanz erstrahlen lassen. Gib, dass wir den Tag der Auferstehung voll Zuversicht erwarten als einen Tag des Jubels und des Dankes. Durch unseren Herrn Jesus Christus, deinen Sohn, der in der Einheit des Heiligen Geistes mit dir lebt und herrscht, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit.
Amen.

Erste Lesung (Apg 2,14.22b–33)

Lesung aus der Apostelgeschichte

Am Pfingsttag trat Petrus auf, zusammen mit den Elf; er erhob seine Stimme und begann zu reden: Ihr Juden und alle Bewohner von Jerusalem!Dies sollt ihr wissen, achtet auf meine Worte! Jesus, den Nazoräer, einen Mann, den Gott vor euch beglaubigt hat durch Machttaten, Wunder und Zeichen, die er durch ihn in eurer Mitte getan hat, wie ihr selbst wisst – ihn, der nach Gottes beschlossenem Willen und Vorauswissen hingegeben wurde, habt ihr durch die Hand von Gesetzlosen ans Kreuz geschlagen und umgebracht. Gott aber hat ihn von den Wehen des Todes befreit und auferweckt; denn es war unmöglich, dass er vom Tod festgehalten wurde. David nämlich sagt über ihn: Ich hatte den Herrn beständig vor Augen. Denn er steht mir zur Rechten, dass ich nicht wanke. Darum freute sich mein Herz und frohlockte meine Zunge und auch mein Leib wird in Hoffnung wohnen; denn du gibst meine Seele nicht der Unterwelt preis, noch lässt du deinen Frommen die Verwesung schauen. Du hast mir die Wege zum Leben gezeigt, du wirst mich erfüllen mit Freude vor deinem Angesicht. Brüder, ich darf freimütig zu euch über den Patriarchen David reden: Er starb und wurde begraben und sein Grabmal ist bei uns erhalten bis auf den heutigen Tag. Da er ein Prophet war und wusste, dass Gott ihm einen Eid geschworen hatte, einer von seinen Nachkommen werde auf seinem Thron sitzen, sagte er vorausschauend über die Auferstehung des Christus: Er gab ihn nicht der Unterwelt preis und sein Leib schaute die Verwesung nicht. Diesen Jesus hat Gott auferweckt, dafür sind wir alle Zeugen. Zur Rechten Gottes erhöht, hat er vom Vater den verheißenen Heiligen Geist empfangen und ihn ausgegossen, wie ihr seht und hört.

Alleluia I

Halleluja!
Die Jünger erkannten Jesus, den Herrn,
als er das Brot brach,
halleluja!

Zweite Lesung (1 Petr 1,17–21)

Lesung aus dem ersten Brief des Apostels Petrus

Wenn ihr den als Vater anruft, der jeden ohne Ansehen der Person nach seinem Tun beurteilt, dann führt auch, solange ihr in der Fremde seid, ein Leben in Gottesfurcht! Ihr wisst, dass ihr aus eurer nichtigen, von den Vätern ererbten Lebensweise nicht um einen vergänglichen Preis losgekauft wurdet, nicht um Silber oder Gold, sondern mit dem kostbaren Blut Christi, des Lammes ohne Fehl und Makel. Er war schon vor Grundlegung der Welt dazu ausersehen und euretwegen ist er am Ende der Zeiten erschienen. Durch ihn seid ihr zum Glauben an Gott gekommen, der ihn von den Toten auferweckt und ihm die Herrlichkeit gegeben hat, sodass ihr an Gott glauben und auf ihn hoffen könnt.

Alleluia II

Hallleuja!
Nur noch kurze Zeit, dann werdet ihr mich nicht mehr sehen, spricht der Herr,
und wieder eine kurze Zeit, dann werdet ihr mich wieder sehen,
denn ich gehe zum Vater,
halleluja!

EVANGELIUM (Joh 21,1–14)

Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes

In jener Zeit offenbarte sich Jesus den Jüngern noch einmal, am See von Tiberias, und er offenbarte sich in folgender Weise. Simon Petrus, Thomas, genannt Dídymus, Natanaël aus Kana in Galiläa, die Söhne des Zebedäus und zwei andere von seinen Jüngern waren zusammen. Simon Petrus sagte zu ihnen: Ich gehe fischen. Sie sagten zu ihm: Wir kommen auch mit. Sie gingen hinaus und stiegen in das Boot. Aber in dieser Nacht fingen sie nichts. Als es schon Morgen wurde, stand Jesus am Ufer. Doch die Jünger wussten nicht, dass es Jesus war. Jesus sagte zu ihnen: Meine Kinder, habt ihr keinen Fisch zu essen? Sie antworteten ihm: Nein. Er aber sagte zu ihnen: Werft das Netz auf der rechten Seite des Bootes aus und ihr werdet etwas finden. Sie warfen das Netz aus und konnten es nicht wieder einholen, so voller Fische war es. Da sagte der Jünger, den Jesus liebte, zu Petrus: Es ist der Herr! Als Simon Petrus hörte, dass es der Herr sei, gürtete er sich das Obergewand um, weil er nackt war, und sprang in den See. Dann kamen die anderen Jünger mit dem Boot – sie waren nämlich nicht weit vom Land entfernt, nur etwa zweihundert Ellen – und zogen das Netz mit den Fischen hinter sich her. Als sie an Land gingen, sahen sie am Boden ein Kohlenfeuer und darauf Fisch und Brot liegen. Jesus sagte zu ihnen: Bringt von den Fischen, die ihr gerade gefangen habt! Da stieg Simon Petrus ans Ufer und zog das Netz an Land. Es war mit hundertdreiundfünfzig großen Fischen gefüllt, und obwohl es so viele waren, zerriss das Netz nicht. Jesus sagte zu ihnen: Kommt her und esst! Keiner von den Jüngern wagte ihn zu befragen: Wer bist du? Denn sie wussten, dass es der Herr war. Jesus trat heran, nahm das Brot und gab es ihnen, ebenso den Fisch. Dies war schon das dritte Mal, dass Jesus sich den Jüngern offenbarte, seit er von den Toten auferstanden war.


Impuls

Es war eine einschneidende Erfahrung: Vor etlichen Jahren war ich schwer erkrankt. Ein komplizierter medizinischer Eingriff war notwendig geworden. Letztlich ging es dank guter Ärzte und ebensolcher Betreuung und sicher der Gnade Gottes gut aus. Dann stand die Frage an, wie sich der Weg zurück in die Normalität gestalten lässt. Ist eine Rehabilitations¬maßnahme der richtige Weg? Und vor allem kam mir die Frage ins Bewusstsein: Wie kann ich mit den Erlebnissen der Krankheit und allen damit verbundenen Einschrän¬kungen und Entwicklungen umgehen? Vor allem aber war entscheidend: Da ist eine positive Perspektive! Wie kann ich sie für mein Leben fruchtbar machen? Gerade in diesen Tagen der Coronakrise und den jetzt beginnen-den Lockerungen der staatlichen Vorschriften – noch ist das Virus ja da und es wird noch einige Zeit dauern, bis wirksame medizinische Mittel zur Bekämpfung vorhanden sein werden – stehen für uns alle die Fragen im Raum, wie Wege in eine Art Normali-tät des Lebens gelingen können. Was haben wir aus all dem Schrecklichen gelernt und wie geht das Leben weiter? Wie gestalten wir den Weg in die Zukunft?
Als ich mir den Text des Evangeliums für diesen Sonntag vor Augen hielt, kam mir in den Sinn, dass die Situation der Jünger mit meiner Erfahrung und ebenso mit unserer heutigen Situation gewisse Ähnlichkeiten hat.
Für die Jünger ist wieder Alltag geworden. Die Tragödie des Karfreitags ist vorbei. Großes ist geschehen. Der Herr lebt. Aber irgendwie muss all das, was da gesche¬hen ist, auch in den Alltag hinübergelangen. Wie kann das gelingen? Man kann nicht immer im Hochge¬fühl des Großen aber Unfassbaren leben. Das ist die Frage, die auch uns genauso angeht: Ja, wir wis¬sen österlich glaubend, dass der Herr lebt. Wie geht das zusammen mit der alltäglichen Erfah¬rungen der Normalität im Wechselspiel von Erfolg und Frust? Kann nach Karfreitag und Ostern überhaupt noch so etwas wie die gewohnte Normalität sein?
Der Evangelist Johannes erzählt davon, welchen Weg die Jünger in dieser Situation einschlagen. Sie gehen ihrem Handwerk nach. Sie gehen fischen. Sie strengen sich an und arbeiten die ganze Nacht durch und fangen nichts. Ein doppelter Frust: Jesus ist nicht mehr da und jetzt auch noch diese vergebliche Anstrengung. Wenn es nach ihrem Verstand, ihrer Berufserfahrung ginge, na ja, dann wäre jetzt ange¬sagt, heimzugehen und sich resigniert hinzulegen. Wie geht es weiter?
Es gibt eine Ebene in dieser Erzählung, die man mitbedenken muss. Als dieser Text am Ende des Johannesevangeliums aufgeschrieben wurde, waren schon Jahrzehnte seit Tod und Auferstehung Jesu vergangen. Die junge Christengemeinde erlebte nach dem Schwung der ersten Zeit so etwas wie Alltag und Gewöhnung. Auch in der Gemeinde des Johannes wuchs die Frage nach dem Weg in die Zukunft…
Doch kommen wir zurück zum Text des Evangeliums. Es ist Morgen, als Jesus am Ufer steht (vgl. Joh 21,4). Wie heißt es doch: Der Morgen bringt es ans Licht, an den Tag… Jesus – sie wissen nicht, dass er es ist, – spricht sie an. „Meine Kinder“, sagt er – nicht „meine Freun¬de“, oder „meine Jünger“ – Jesus geht ein Stück in die Tiefe. Nicht um handwerkliches Fachwissen oder um einen Plausch unter Freunden geht es. Was das ganze Gesche¬hen betrifft, sind die Jünger, sind wir „Kinder“, die eines für den Weg in die Zukunft lernen müssen: Vertrauen in die Nähe des Auferstandenen. Und wo wächst Vertrauen besser als in der engen Gemeinschaft des familiären Essens, der intimen Gemeinschaft der Menschen? Auf dieser Ebene beginnt Jesus mit ihnen das Leben neu zu teilen. Darum die Frage: Habt ihr nicht etwas zum Essen? Deshalb ist am Ufer ein Kohlenfeuer mit Brot und Fisch. Das gemeinsame Mahl ist bereitet. Die Einladung ist ausgesprochen. „Meine Kinder, habt ihr nicht etwas zum Essen?“
Zuvor aber schickt er sie nochmals hinaus – am helllichten Tag – wie verrückt ist das denn für die Fischfachleute! Da werden sie doch nichts fangen! Aber die Jünger haben die Einladung des Vertrauens gehört. Auch wenn sie ihn nicht erkennen. Auf der rechten – der richtigen Seite, auf sein Wort hin… und der Erfolg gibt dem Herrn und ihnen recht: Mit Jesus geht es nicht schief. Nur mit ihm gelingt der Weg in die Zukunft. Das ist der entscheidende Hinweis für die Jünger, für die Kirche, für die Gemeinde. Jesus lässt sie nicht im Stich. Auf ihn zu hören, von ihm zu empfan¬gen, unerwartet und großzügig, das ist die Perspektive. Im Netz finden sich am Ende 153 große Fische, Symbol der Fülle und der Vielfalt, denn so viele Völker kannte man zu jener Zeit. Wer sich also auf Jesus ein¬lässt, der wird überraschende Erfahrungen machen: Erfolg haben, wo keiner geplant war und eventuell Misserfolg, wo alles durchorganisiert und institutionalisiert war und ist.
Ja, es tut gut, auf die Stimme des Herrn zu hören – also wirklich im Gespräch, im Gebet mit ihm zu sein, persönlich und auch gemeinschaftlich – auch wenn wir Probleme haben, ihn auf Abstand (er steht am Ufer und so geht es uns in dieser Krise ja auch – auf Abstand) zu orten und zu erkennen. Manchmal scheint verstörend und paradox, was er uns sagt. Aber denken wir an das Wort Mariens bei der Hochzeit zu Kana: Was er euch sagt, das tut! (Vgl. Joh 2,5) Denken wir daran: Meist beinhalten seine Worte eine Sendung: Geht, ich bin mit dir, mit euch! – Meist öffnet er unsere kleine Welt mit der selbstgestrickten Normalität hin auf die anderen, die Mitmenschen, die Notleidenden, die Kranken und Bedürftigen… Das ist Gottes Lebensansatz – Das Leben immer zu stärken und zu schützen! Auf dein Wort hin… Sein Wort gilt der Kirche, allen Christen, aber auch allen, die einen Weg in die Welt der Zukunft mit mehr Menschlichkeit, mit mehr Gerechtigkeit und Frieden suchen. Es ist Gottes Weg in die Zukunft!
Der Fischfang der Jünger auf sein Wort hin ist Beleg dafür. Eines fehlt noch: Wir müssen uns auch gegenseitig auf ihn auf¬merksam machen: Es ist der Herr! – so sagt es das liebende Herz des Johannes. Es braucht Menschen, die die Sensibilität des liebenden Herzens dem Herrn gegenüber haben, nicht für sich allein, sondern ebenso füreinander. Johannes hilft uns, das un¬fassbare österliche Geschehen in den Alltag des Lebens herüber zu holen. Der Herr hilft uns, im Dasein füreinander den Weg in das Leben von Gott her zu finden. Er stärkt uns auf dem Weg zum Leben in den neuen Tag. Die Welt, die Gemeinschaft der Menschen, das Leben nach der Krise kann, nein, es muss anders werden… Das Mahl ist bereitet… „Meine Kinder“, sagt der Herr.
Ich wünsche Ihnen einen guten Weg ins Morgen! Seien Sie behütet!

Ihr P. Guido


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