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Neuigkeiten

aus der Abtei

Laetare!


Eindrücke der Eucharistiefeier am 4. Sonntag der Fastenzeit (Gruß, Messtexte und Impuls)

Liebe Freunde der Abtei Marienstatt,
liebe Schwestern und Brüder im Glauben!

Das Coronavirus ist eine schwere Heimsuchung für die ganze Welt. Tausende Menschen sind an der heimtückischen Viruserkrankung gestorben, zahllose sind infiziert. Die Gefahr einer Ansteckung ist groß, entsprechend grassiert die Angst.

Die einschneidenden Maßnahmen, die zur Eindämmung des Virus ergriffen wurden – von Seiten des Staates und der Kirche -, prägen unser aller Leben. Auch das alltägliche Bild hier in Marienstatt hat sich einschneidend geändert. Das Gymnasium, die Gästehäuser, die Buchhandlung und das Brauhaus sind geschlossen. Die tägliche Eucharistiefeier und das Chorgebet dürfen wir nur „unter Ausschluss der Öffentlichkeit“ feiern. Das ist besonders schmerzlich.

Wir wissen, dass wir diesen Schmerz mit vielen von Ihnen teilen. Zwar können Sie das Kloster noch besuchen, die Kirche ist zumindest zeitweise geöffnet, und der „Zufluchtsort“ Gnadenbild ist zugänglich. Aber dass sie nicht mehr am Gottesdienst und den Gebetszeiten teilnehmen dürfen, ist für viele Menschen eine tiefergreifend schwere Erfahrung.

Bitte seien Sie unseres fürbittenden Gebets versichert! Und beten Sie auch für uns!

Wir haben in der Gemeinschaft überlegt, an manchen Tagen Text- und Bildausschnitte aus der Liturgie auf unsere Homepage zu setzen und Ihnen dadurch zu ermöglichen, an unserem geistlichen Tun Anteil zu haben. Das ersetzt nicht die volle Teilnahme, aber es schenkt uns eine geistliche Verbindung.

Gestern haben wir das Hochfest unseres Ordensvaters Benedikt gefeiert. Zusammen mit den heiligen Cyrill und Methodius, den heiligen Frauen Katharina von Siena, der heiligen Birgitta von Schweden und der heiligen Sr. Theresia Benedikta vom Kreuz (Edith Stein) wird er als Patron Europas verehrt. Bitten wir diese Heiligen, aber auch den heiligen Rochus, den Schutzpatron gegen Seuchen, den seligen P. Richard Henkes, der sein Leben hingab in der Pflege von Typhuskranken im KZ Dachau, zusammen mit der Schmerzensmutter von Marienstatt Fürbitte zu halten bei Gott.

Bleiben wir im Gebet und in der christlichen Liebe einander verbunden!
Der Herr beschütze und segne Sie und alle Ihre Lieben.

Herzlich verbunden grüßen

Ihre Mönche von Marienstatt


TEXTE DER HEILIGEN MESSE

Oration

Herr, unser Gott, du hast in deinem Sohn die Menschheit auf wunderbare Weise mit dir versöhnt. Gib deinem Volk einen hochherzigen Glauben, damit es mit froher Hingabe dem Osterfest entgegeneilt. Durch unseren Herrn Jesus Christus, deinen Sohn, der in der Einheit des Heiligen Geistes mit dir lebt und herrscht, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

Erste Lesung (1 Sam 16, 1b.6-7.10-13b)

Lesung aus dem ersten Buch Samuel

In jenen Tagen sprach der Herr zu Samuel: Fülle dein Horn mit Öl, und mach dich auf den Weg! Ich schicke dich zu dem Betlehemiter Isai; denn ich habe mir einen von seinen Söhnen als König ausersehen. Als sie kamen und er den Eliab sah, dachte er: Gewiss steht nun vor dem Herrn sein Gesalbter. Der Herr aber sagte zu Samuel: Sieh nicht auf sein Aussehen und seine stattliche Gestalt, denn ich habe ihn verworfen; Gott sieht nämlich nicht auf das, worauf der Mensch sieht. Der Mensch sieht, was vor den Augen ist, der Herr aber sieht das Herz. So ließ Isai sieben seiner Söhne vor Samuel treten, aber Samuel sagte zu Isai: Diese hat der Herr nicht erwählt. Und er fragte Isai: Sind das alle deine Söhne? Er antwortete: Der jüngste fehlt noch, aber der hütet gerade die Schafe. Samuel sagte zu Isai: Schick jemand hin, und lass ihn holen; wir wollen uns nicht zum Mahl hinsetzen, bevor er hergekommen ist. Isai schickte also jemand hin und ließ ihn kommen. David war blond, hatte schöne Augen und eine schöne Gestalt. Da sagte der Herr: Auf, salbe ihn! Denn er ist es. Samuel nahm das Horn mit dem Öl und salbte David mitten unter seinen Brüdern. Und der Geist des Herrn war über David von diesem Tag an.

Graduale (Zwischengesang)

Friede wohne in deinen Mauern, in deinen Häusern Geborgenheit.
(Ps 122,7)

Zweite Lesung (Eph 5, 8-14)

Lesung aus dem Brief des Apostels Paulus an die Epheser

Einst wart ihr Finsternis, jetzt aber seid ihr durch den Herrn Licht geworden. Lebt als Kinder des Lichts! Das Licht bringt lauter Güte, Gerechtigkeit und Wahrheit hervor. Prüft, was dem Herrn gefällt, und habt nichts gemein mit den Werken der Finsternis, die keine Frucht bringen, sondern deckt sie auf! Denn man muss sich schämen, von dem, was sie heimlich tun, auch nur zu reden. Alles, was aufgedeckt ist, wird vom Licht erleuchtet. Alles Erleuchtete aber ist Licht. Deshalb heißt es: Wach auf, du Schläfer, und steh auf von den Toten, und Christus wird dein Licht sein.

Tractus (Zwischengesang)

Wer auf den Herrn vertraut, steht fest wie der Zionsberg,
der niemals wankt, der ewig bleibt.
Wie Berge Jerusalem rings umgeben,
so ist der Herr um sein Volk
von nun an auf ewig.
(Ps 125,1-2)

EVANGELIUM (Joh 9, 1-41)

Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes

In jener Zeit sah Jesus einen Mann, der seit seiner Geburt blind war. Da fragten ihn seine Jünger: Rabbi, wer hat gesündigt? Er selbst? Oder haben seine Eltern gesündigt, so dass er blind geboren wurde? Jesus antwortete: Weder er noch seine Eltern haben gesündigt, sondern das Wirken Gottes soll an ihm offenbar werden. Wir müssen, solange es Tag ist, die Werke dessen vollbringen, der mich gesandt hat; es kommt die Nacht, in der niemand mehr etwas tun kann. Solange ich in der Welt bin, bin ich das Licht der Welt. Als er dies gesagt hatte, spuckte er auf die Erde; dann machte er mit dem Speichel einen Teig, strich ihn dem Blinden auf die Augen und sagte zu ihm: Geh und wasch dich in dem Teich Schiloach! Schiloach heißt übersetzt: Der Gesandte. Der Mann ging fort und wusch sich. Und als er zurückkam, konnte er sehen.

Die Nachbarn und andere, die ihn früher als Bettler gesehen hatten, sagten: Ist das nicht der Mann, der dasaß und bettelte? Einige sagten: Er ist es. Andere meinten: Nein, er sieht ihm nur ähnlich. Er selbst aber sagte: Ich bin es. Da fragten sie ihn: Wie sind deine Augen geöffnet worden? Er antwortete: Der Mann, der Jesus heißt, machte einen Teig, bestrich damit meine Augen und sagte zu mir: Geh zum Schiloach, und wasch dich! Ich ging hin, wusch mich und konnte wieder sehen. Sie fragten ihn: Wo ist er? Er sagte: Ich weiß es nicht.

Da brachten sie den Mann, der blind gewesen war, zu den Pharisäern. Es war aber Sabbat an dem Tag, als Jesus den Teig gemacht und ihm die Augen geöffnet hatte. Auch die Pharisäer fragten ihn, wie er sehend geworden sei. Der Mann antwortete ihnen: Er legte mir einen Teig auf die Augen; dann wusch ich mich, und jetzt kann ich sehen. Einige der Pharisäer meinten: Dieser Mensch kann nicht von Gott sein, weil er den Sabbat nicht hält. Andere aber sagten: Wie kann ein Sünder solche Zeichen tun? So entstand eine Spaltung unter ihnen. Da fragten sie den Blinden noch einmal: Was sagst du selbst über ihn? Er hat doch deine Augen geöffnet. Der Mann antwortete: Er ist ein Prophet.

Die Juden aber wollten nicht glauben, dass er blind gewesen und sehend geworden war. Daher riefen sie die Eltern des Geheilten und fragten sie: Ist das euer Sohn, von dem ihr behauptet, dass er blind geboren wurde? Wie kommt es, dass er jetzt sehen kann? Seine Eltern antworteten: Wir wissen, dass er unser Sohn ist und dass er blind geboren wurde. Wie es kommt, dass er jetzt sehen kann, das wissen wir nicht. Und wer seine Augen geöffnet hat, das wissen wir auch nicht. Fragt doch ihn selbst, er ist alt genug und kann selbst für sich sprechen. Das sagten seine Eltern, weil sie sich vor den Juden fürchteten; denn die Juden hatten schon beschlossen, jeden, der ihn als den Messias bekenne, aus der Synagoge auszustoßen. Deswegen sagten seine Eltern: Er ist alt genug, fragt doch ihn selbst.

Da riefen die Pharisäer den Mann, der blind gewesen war, zum zweiten Mal und sagten zu ihm: Gib Gott die Ehre! Wir wissen, dass dieser Mensch ein Sünder ist. Er antwortete: Ob er ein Sünder ist, weiß ich nicht. Nur das eine weiß ich, dass ich blind war und jetzt sehen kann. Sie fragten ihn: Was hat er mit dir gemacht? Wie hat er deine Augen geöffnet? Er antwortete ihnen: Ich habe es euch bereits gesagt, aber ihr habt nicht gehört. Warum wollt ihr es noch einmal hören? Wollt auch ihr seine Jünger werden? Da beschimpften sie ihn: Du bist ein Jünger dieses Menschen; wir aber sind Jünger des Mose. Wir wissen, dass zu Mose Gott gesprochen hat; aber von dem da wissen wir nicht, woher er kommt. Der Mann antwortete ihnen: Darin liegt ja das Erstaunliche, dass ihr nicht wisst, woher er kommt; dabei hat er doch meine Augen geöffnet. Wir wissen, dass Gott einen Sünder nicht erhört; wer aber Gott fürchtet und seinen Willen tut, den erhört er. Noch nie hat man gehört, dass jemand die Augen eines Blindgeborenen geöffnet hat. Wenn dieser Mensch nicht von Gott wäre, dann hätte er gewiss nichts ausrichten können. Sie entgegneten ihm: Du bist ganz und gar in Sünden geboren, und du willst uns belehren? Und sie stießen ihn hinaus.

Jesus hörte, dass sie ihn hinausgestoßen hatten, und als er ihn traf, sagte er zu ihm: Glaubst du an den Menschensohn? Der Mann antwortete: Wer ist das, Herr? Sag es mir, damit ich an ihn glaube. Jesus sagte zu ihm: Du siehst ihn vor dir; er, der mit dir redet, ist es. Er aber sagte: Ich glaube, Herr! Und er warf sich vor ihm nieder. Da sprach Jesus: Um zu richten, bin ich in diese Welt gekommen: damit die Blinden sehend und die Sehenden blind werden. Einige Pharisäer, die bei ihm waren, hörten dies. Und sie fragten ihn: Sind etwa auch wir blind? Jesus antwortete ihnen: Wenn ihr blind wärt, hättet ihr keine Sünde. Jetzt aber sagt ihr: Wir sehen. Darum bleibt eure Sünde.


Impuls

„Das gibt es doch nicht! – Das kann doch nicht wahr sein!“ Da trifft einen eine unerwartete Nachricht, etwas, das im Innersten erschüttert, dann reagiert man so. Ich denke an die Bilder von Bergamo vorgestern und an Bilder aus völlig mit Schwerkranken überfüllten und überlasteten Kliniken, an verzweifelte Krankenpfleger und Schwestern und Ärzte. Man mochte gar nicht ansehen, was da über die Bildschirme flimmerte… und da ist mehr als ein mulmiges Gefühl in einem selbst. „Das gibt es doch nicht! – Das kann doch nicht wahr sein!“ Wie oft bestehen wir darauf, dass „nicht sein kann, was nicht sein darf“. Aber das, was uns in dieser Krise um das Sars-Coronavirus trifft, bedroht unser Leben, unseren sozialen Zusammenhalt, bedroht uns alle. Und wir fragen, wie all das sein kann!

Im Evangelium des vierten Fastensonntags in diesem Jahr begegnet uns das auch. Es geht um das Schicksal eines seit Geburt Blinden. Da sind zuerst die Jünger, die fragen: „Wer hat gesündigt: Er selbst oder seine Eltern?“ Für sie gibt es nur diese beiden Möglichkeiten, wenn jemand so ein schweres Schicksal zu tragen hat. Da muss jemand schuldig sein. Ich denke auch an manche Nachricht unserer Tage: Da gibt es Leute, die nutzen das schreckliche Geschehen der Seuche gepaart mit Schuldzuweisungen für eigene Interessen und zur Verunsicherung anderer. Neben dem Abgrund einer Pandemie öffnet sich auch noch der Abgrund von purem Egoismus und falschen Ansagen. Sie erinnern an die im Evangelium benannten Pharisäer und an die Menschen aus dem Umfeld des Blindgeborenen.

Doch Jesus weitet ihren Blick: „Weder er noch seine Eltern…, das Wirken Gottes soll an ihm offenbar werden“ (Joh 9,1-3). Also: Gott ist nicht einer, der krank macht, damit er hinterher wieder gesund machen kann und entsprechend gut dasteht. Das wäre nicht nur, das ist absurd! Der Gott, den Jesus verkündet, will nur das Gute für den Menschen. Jesus öffnet den Jüngern und dem Blindgeborenen die Augen, den einen die Augen des Herzens, dem anderen die Augen am Kopf.

Niemand ist schuld!
Aber es liegt an uns, ob wir uns gewissermaßen mit Jesus zusammentun und Licht sind, wie er sagt, und teilhaben an der Verwandlung und Gestaltung einer besseren Welt. Selbst in dieser Situation! Darauf deuten die Erde, aus der Jesus dem Blinden einen Heilteig für die Augen macht und das Wasser des Teiches Schiloach hin. Beides spricht, neben der Hilfe Gottes, auch von unserer menschlichen Fähigkeit, einander beizustehen und zu helfen. Die Augen werden geöffnet, damit eine neue Sichtweise werden kann. Glaube an Gottes Hilfe wird möglich und ich selbst kann vom Blick auf den eigenen Bauchnabel loskommen und meine Mitmenschen und die Welt neu sehen lernen.

Ja, es ist gut, in dieser schlimmen Zeit denen, die für uns alle unglaubliches leisten, zu applaudieren und ihnen zu danken. Es ist gut, auch mal eine Kerze anzuzünden und an die vielen, vielen Kranken und Sterbenden zu denken und auch für sie zu beten. Und es ist gut die Augen neu zu öffnen für das, was im Leben wirklich trägt und dem Leben dient und zwar nicht nur dem persönlichen Leben. Und es ist gut, solidarisch zu sein und uns alle mit neuen Augen zu sehen: Junge und Alte, Gesunde und Kranke, über alle Grenzen hinweg als Menschen, die der Hilfe, Liebe und Zuwendung voneinander und besonders auch von Gott her bedürfen. Und es ist gut, Gott neu zu entdecken…

Mir kommen Worte des Propheten Jesaja in den Sinn, der sagt: „Ihr, die ihr taub seid, hört, ihr Blinden, blickt auf und seht her!“ (Jes 42,18) und „Seht her, nun mache ich etwas Neues. Schon kommt es zum Vorschein, merkt ihr es nicht?“ (Jes 43,19).
Ihnen allen Gottes Segen und Nähe und die Kraft zu tragen, was kommen mag!

Ihr
P. Guido


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