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Neuigkeiten

aus der Abtei

Impuls zum Karfreitag


Ihr alle, die ihr des Weges kommt, merkt auf und fragt euch, ob es je einen Schmerz gegeben hat, der meinem gleicht! (Klagelieder 1,12)

Liebe Mitchristen!

Wenn wir uns in diesem Jahr auch nicht aus den bekannten Gründen am Karfreitag um 15 Uhr in unserer Kirche zum Gottesdienst versammeln können, ist es für unsere innere Orientierung wichtig und sinnvoll, dass wir uns im Geist und im Gebet unter das Kreuz stellen.

Sein Tod – so sagt der heilige Paulus – soll mich prägen. Es kostet uns einige Überwindung, bis wir uns dem Tod lieber Menschen, dem drohenden Coronatod, dem eigenen Sterben und dem Tod Christi aussetzen.

An jedem Karfreitag erleben wir in der Liturgie, wie alle Wege, die unser Herr auf Erden gegangen ist, im Kreuzweg und am Kreuz enden. Der alte Spruch ‚Stat crux, dum volvitur orbis‘ / ‚Das Kreuz steht da, während der Erdkreis sich dreht‘ bewahrheitet sich in diesen Wochen ganz besonders. Corona lässt den Erdkreis aufhorchen. Und wir sehen neu: Unser aller Leben ist bedroht und gefährdet. So hat Papst Franziskus am Abend des 27. März in einem bewegenden Gottesdienst das Pestkreuz verehrt, das Jahrhunderte zuvor Rom von einer Epidemie gerettet hat, und der Stadt Rom und dem gesamten Erdkreis mit der Monstranz den Segen ‚Urbi et Orbi‘ gespendet. Nehmen wir deshalb in unsere Karfreitagsbetrachtung und in unser Gebet den ganzen Erdkreis mit hinein und wagen wir immer wieder den Satz: Wir beten dich an, Herr Jesus Christus, und preisen dich, denn durch dein heiliges Kreuz hast du die Welt erlöst!

Das Kreuz ist das Ende aller Wege. Aber – und hier ist unser Glaube herausgefordert – es ist zugleich der Anfang ganz neuer Wege und Einsichten. Nach Jesu Tod am Kreuz erkennt und bekennt der römische Hauptmann: Dieser Mensch war Gottes Sohn!

 Unser Gnadenbild der schmerzhaften Gottesmutter von Marienstatt ist ein wahres Karfreitagsbild. Es heißt auch Vesperbild, weil es zeigt und festhält, wie Maria nach seinem Kreuzestod „zur neunten Stunde“ und seiner Abnahme vom Kreuz ihren toten Sohn voll Schmerz betrauert und ihn uns vor Augen hält. Ihr Innehalten, ihr Leid, ihr Glaube will sich mit unseren offenen Fragen und offenbaren Nöten, mit unserem Innehalten und unseren Glaubensversuchen verbinden.

An jedem Freitag gehen wir Mönche von Marienstatt zum Ende der Vesper in Prozession zum Gnadenaltar und singen dabei den Hymnus ‚Stabat mater‘/,Christi Mutter stand mit Schmerzen‘. Er findet sich gekürzt und in deutscher Übersetzung im Gotteslob unter der Nummer 532.

Machen wir uns, liebe Schwestern und Brüder im gemeinsamen Glauben, an diesem Karfreitag 2020 den Schmerz der Muttergottes zu eigen und nehmen wir den Coronaschmerz, der den ganzen Erdkreis betrifft und bedroht, hinein in unsere Gebete!

In karfreitäglichem Schweigen und Gedenken verbinden sich mit Ihnen

Abt Andreas und der Marienstatter Konvent


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