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aus der Abtei

Impuls zur Karwoche


Er hat unsere Krankheit getragen und unsere Schmerzen auf sich geladen (Jes 53,4)

In diesen Tagen ist sie plötzlich wieder da: die Ahnung von unserer Verletzlichkeit, unserer Gebrochenheit, unserer Endlichkeit. Unsere Grenzen zeigt uns ein Virus auf, das binnen weniger Wochen von einer chinesischen Provinz in alle Welt vorgedrungen ist und sein ganzes aggressives Potential entfesselt, wenn es auf eine Person mit einem geschwächten Immunsystem trifft. Viele zwingt dieses Virus in die Knie, zu viele führt es an den Abgrund ihrer vitalen Möglichkeiten. Es verursacht eine Krankheit, die zum Tod führen kann.

Mit der heiligen Woche liegen Tage vor uns, die uns mit Tod und Leben konfrontieren, mit Kreuz und Auferstehung. Wir folgen in diesen Stunden Jesus Christus, der durch den Tod hindurchgehen, ihn durchleiden und von innen her aufbrechen wird. Christus ist das Leben, werden wir merken. Er ist es, in dem Gottes Leben mitten in dieser Welt des Sterbens da ist. Er flieht nicht vor der Nacht des Todes, sondern steigt hinab in den Abgrund der Nichtigkeit. Als stellvertretend leidender Gottesknecht trägt er unsere Krankheiten und lädt unsere Schmerzen auf sich (vgl. Jes 53,4). Seine Krankheit, die er am Leib trägt, ist in Wirklichkeit unserer Krankheit. Sein Schmerz ist in Wirklichkeit unser Schmerz. Er lässt sich infizieren durch unsere Sünde. Gott hat den, der keine Sünde kannte, für uns zur Sünde gemacht, sagt Paulus in seinen Brief an die Korinther (vgl. 2 Kor 5,21). Und es sollte sich zeigen, dass der Sohn diese Krankheit der Sünde bis zum Äußersten ausleidet.

Christus hat keine Berührungsängste mit den Krankheitserregern unserer Welt. Er hält sich nicht an Sicherheitsabständen. Hat er noch nie getan. Er lässt sich auch nicht durch irgendwelche Absperrungsmaßnahmen aufhalten, sondern sucht uns in der Quarantäne unseres Todes auf. Er demaskiert den Tod und haucht uns in unserer Atemnot den Geist der Auferstehung ein. Er durchbricht unseren prekären Krankheitsverlauf und „infiziert“ uns mit dem Leben, mit dem ewigen Leben. Seine Therapie ist auf eine besondere Reanimation aus. Er reanimiert uns zum unvergänglichen Leben.

Sein Tod am Kreuz zeigt den hässlichsten Krankheitsverlauf, den wir uns vorstellen können. Und seine Auferstehung das schönste Ereignis einer vollendenden Genesung. Das Verstummen an den Betten der Intensivstationen und das stille Weinen an den Gräbern der Verblichenen wird daher nicht das Letzte, allenfalls das Vorletzte sein. Das Letzte wird der Ostermorgen sein, den jeder erfährt, der in der Hingabe an Christus ins Leben hineinstirbt.

In diesen Tagen möchte ich Sie einladen, dass Sie Christus als den Arzt Ihrer Seele an sich heranlassen. Er möchte Sie berühren und heil machen. Begreifen Sie bitte die Momente Ihrer Einsamkeit nicht als notwendiges Übel, sondern als Chance, um in diesem Alleinsein bei Christus zu sein. Nehmen Sie sich Zeit, um die Passion nach Johannes zu lesen (Joh 18,1-19,42). Und stillen Sie Ihren eucharistischen Hunger mit der geistigen Kommunion, indem Sie das Gebet „Anima Christi“ sprechen (vgl. GL 6/4). Es lautet:

Seele Christi, heilige mich.
Leib Christi, rette mich.
Blut Christi, tränke mich.
Wasser der Seite Christi, wasche mich.
Leiden Christi, stärke mich.
O guter Jesus, erhöre mich.
Birg in deinen Wunden mich.
Von dir lass nimmer scheiden mich.
Vor dem bösen Feind beschütze mich.
In meiner Todesstunde rufe mich,
zu dir zu kommen, heiße mich,
mit deinen Heiligen zu loben dich
in deinem Reiche ewiglich.
Amen.

P. Hieronymus


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