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aus der Abtei

Impuls zum Karsamstag


„Er ist hinabgestiegen in das Reich des Todes“!

Die Kreuzigung Jesu geschah an einem Freitag. Da der darauffolgende Tag ein Sabbath und folglich ein Ruhetag war, wurde der Leichnam des Herrn nach wenigen Stunden vom Kreuz abgenommen. Eine mittelalterliche Erzählung will wissen, dass der tote Sohn für einen Moment in den Schoß seiner Mutter Maria gelegt und dann in einem Grab beigesetzt wurde.
Der heutige Tag ist der Grabesruhe Jesu gewidmet.
Der Herr ist wirklich tot, nicht scheintot, nicht wie einer, der ein Nahtot-Erlebnis hatte. Mit allen Menschen ist er auch diesen letzten Weg gegangen, er hat sich der Macht des Todes überlassen. Im Glaubensbekenntnis sprechen wir: „Er ist hinabgestiegen in das Reich des Todes“!

Machen wir uns bewusst, was die Juden zur Zeit Jesu unter dem „Reich des Todes“ verstanden:
Sie hatten die Vorstellung von einem Ort unter der Erde, Scheol genannt, an dem die Verstorbenen ruhten. Es war ein freud- und glückloser Ort, fern von Gott und jeglicher Hoffnung (vgl. das Gleichnis vom reichen Prasser und dem armen Lazarus).

Jesu Leib ruht in der Erde, ein unbeweglicher Stein versperrt den Zugang zu seiner Grabhöhle. In einer gewissen Entfernung beobachten einige seiner Anhängerinnen, was dort geschieht. Sie trauern und klagen, diese mutigen Frauen, geschart um seine Mutter. „Kar“-Samstag: Tag der Klage, des Kummers, der Trauer (althochdeutsch: Kara = Klage, Kummer)
Eine mittelalterliche Marien-Anrufung lautet: „Heilige Maria, die du den Karsamstag ausgehalten hast, bitte für uns“!
Wo sind seine Jünger? Ich stelle mir mit Schmerz vor, welche innere Pein sie aushalten müssen. Sie haben ihn verraten, alleingelassen in der größten Not, sind geflohen. Karsamstag: Tag der Angst! Tag der begrabenen Hoffnung! Tag auch des Selbstzweifels!

Bewegung ist an diesem Tag unter den Hohepriestern und Pharisäern: Sie fordern von Pilatus eine Wache vor dem Grab aus Angst, Jesu Jünger könnten den Leichnam stehlen und behaupten, er sei auferstanden. Die Wache, ein Symbol für menschliches Misstrauen, wird aufgestellt.
Ansonsten ist Ruhe, quälende Stille.

Die Kirche drückt die Trauer in einer reichen Symbolik aus:
– keine Liturgie, stattdessen lange Trauermetten (wo es noch üblich ist)
– der Altar ohne Schmuck und Altartuch
– keine Spendung der Sakramente (Ausnahme ist das Bußsakrament)
– vielerorts wird ein „Heiliges Grab“ verehrt.
– kein Glockengeläut
– die Orthodoxe Kirche kennt die Ikone von „Christi Höllenfahrt“, die gleichzeitig die Osterikone darstellt.

„Hinabgestiegen in das Reich des Todes!“
Der Leichnam Jesu ruht, seine Seele ist auf dem Weg in den Scheol.
Was dann geschieht, das sagt uns der morgige Tag.

Karsamstag: kein Tag, an dem man die restlichen Einkäufe tätigen sollte, kein „nutzloser“ Tag, sondern ein Tag des Wachens und Betens und der geistigen Vorbereitung auf das Fest aller Feste.

Gewiss, liebe Schwestern und Brüder, in diesem Jahr ist alles anders, und jeder Tag auf Ostern zu ist wie ein Karsamstag. Wie wird es Ihnen morgen gehen, an Ostern, ohne die Osternacht, ohne festliche Gottesdienste?
Vielleicht öffnet die Entbehrung in diesem Jahr den Blick auf das Eigentliche und Wesentliche mehr und tiefer als zu anderen Zeiten.

Einen gesegneten Karsamstag wünscht Ihnen

P. Martin


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