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Neuigkeiten

aus der Abtei

Eucharistiefeier am 5. Sonntag der Fastenzeit


Passionssonntag

Liebe Schwestern und Brüder,

mit dem heutigen Passionssonntag beginnen wir die letzten beiden Wochen der Fastenzeit: im Leiden Jesu, das wir betrachten, rückt das Leiden Gottes und Seine Leidenschaft für uns Menschen in den Mittelpunkt. Lassen wir uns in diesen beiden Wochen erschüttern von Seiner grenzenlosen Liebe zu uns und zu allen Menschen, damit wir Ihn erkennen, wie Er ist – und Seine Liebe zu allen Menschen tragen.

Der hl. Paulus, der bis an die Enden der Erde geeilt ist, um den Menschen diese Liebe Gottes zu verkünden, ruft seine eigene Erschütterung mit bewegenden Worten heraus:

Christus will ich erkennen
und die Macht Seiner Auferstehung
und die Gemeinschaft mit Seinen Leiden;
Sein Tod soll mich prägen.
So hoffe ich, auch zur Auferstehung von den Toten zu gelangen.
(Phil 3,10f)


TEXTE DER HEILIGEN MESSE

Introitus (Eröffnungsvers)

Verschaff mir Recht, o Gott,
und führe meine Sache gegen ein treuloses Volk!
Rette mich vor bösen und tückischen Menschen,
denn du bist mein starker Gott.
(Ps 43,1-2)

Oration

Herr, unser Gott, dein Sohn hat sich aus Liebe zur Welt dem Tod überliefert. Lass uns in seiner Liebe bleiben und mit deiner Gnade aus ihr leben. Durch Ihn, unseren Herrn Jesus Christus, deinen Sohn, der in der Einheit des Heiligen Geistes mit dir lebt und herrscht, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit.
Amen.

Erste Lesung (Ez 37, 12b-14)

Lesung aus dem Buch Ezechiel

So spricht Gott, der Herr: Ich öffne eure Gräber und hole euch, mein Volk, aus euren Gräbern herauf. Ich bringe euch zurück in das Land Israel. Wenn ich eure Gräber öffne und euch, mein Volk, aus euren Gräbern heraufhole, dann werdet ihr erkennen, dass ich der Herr bin. Ich hauche euch meinen Geist ein, dann werdet ihr lebendig, und ich bringe euch wieder in euer Land. Dann werdet ihr erkennen, dass ich der Herr bin. Ich habe gesprochen, und ich führe es aus – Spruch des Herrn.

Graduale (Zwischengesang)

Herr, entreiß mich meinen Feinden!
Lehr mich, deinen Willen zu tun,
denn du bist mein Gott.
(Ps 143,9a.10a)

Zweite Lesung (Rom 8,8-11)

Lesung aus dem Brief des Apostels Paulus an die Römer

Wer vom Fleisch bestimmt ist, kann Gott nicht gefallen. Ihr aber seid nicht vom Fleisch, sondern vom Geist bestimmt, da ja der Geist Gottes in euch wohnt. Wer den Geist Christi nicht hat, der gehört nicht zu ihm. Wenn Christus in euch ist, dann ist zwar der Leib tot aufgrund der Sünde, der Geist aber ist Leben aufgrund der Gerechtigkeit. Wenn der Geist dessen in euch wohnt, der Jesus von den Toten auferweckt hat, dann wird er, der Christus Jesus von den Toten auferweckt hat, auch euren sterblichen Leib lebendig machen, durch seinen Geist, der in euch wohnt.

Tractus (Zwischengesang)

Sie haben mich oft bedrängt von Jugend auf – so soll Israel sagen -,
sie haben mich oft bedrängt von Jugend auf,
doch sie konnten mich nicht bezwingen.
Die Pflüger haben auf meinem Rücken gepflügt,
ihre langen Furchen gezogen.
Doch der Herr ist gerecht,
her hat die Stricke der Frevler zerhauen.
(Ps 129,1-4)

EVANGELIUM (Joh 11,1-45)

Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes

In jener Zeit war ein Mann krank, Lazarus aus Betanien, dem Dorf, in dem Maria und ihre Schwester Marta wohnten. Maria ist die, die den Herrn mit Öl gesalbt und seine Füße mit ihrem Haar abgetrocknet hat; deren Bruder Lazarus war krank. Daher sandten die Schwestern Jesus die Nachricht: Herr, dein Freund ist krank. Als Jesus das hörte, sagte er: Diese Krankheit wird nicht zum Tod führen, sondern dient der Verherrlichung Gottes: Durch sie soll der Sohn Gottes verherrlicht werden. Denn Jesus liebte Marta, ihre Schwester und Lazarus. Als er hörte, dass Lazarus krank war, blieb er noch zwei Tage an dem Ort, wo er sich aufhielt.

Danach sagte er zu den Jüngern: Lasst uns wieder nach Judäa gehen. Die Jünger entgegneten ihm: Rabbi, eben noch wollten dich die Juden steinigen, und du gehst wieder dorthin? Jesus antwortete: Hat der Tag nicht zwölf Stunden? Wenn jemand am Tag umhergeht, stößt er nicht an, weil er das Licht dieser Welt sieht; wenn aber jemand in der Nacht umhergeht, stößt er an, weil das Licht nicht in ihm ist. So sprach er. Dann sagte er zu ihnen: Lazarus, unser Freund, schläft; aber ich gehe hin, um ihn aufzuwecken. Da sagten die Jünger zu ihm: Herr, wenn er schläft, dann wird er gesund werden. Jesus hatte aber von seinem Tod gesprochen, während sie meinten, er spreche von dem gewöhnlichen Schlaf. Darauf sagte ihnen Jesus unverhüllt: Lazarus ist gestorben. Und ich freue mich für euch, dass ich nicht dort war; denn ich will, dass ihr glaubt. Doch wir wollen zu ihm gehen. Da sagte Thomas, genannt Didymus – Zwilling -, zu den anderen Jüngern: Dann lasst uns mit ihm gehen, um mit ihm zu sterben.

Als Jesus ankam, fand er Lazarus schon vier Tage im Grab liegen. Betanien war nahe bei Jerusalem, etwa fünfzehn Stadien entfernt. Viele Juden waren zu Marta und Maria gekommen, um sie wegen ihres Bruders zu trösten. Als Marta hörte, dass Jesus komme, ging sie ihm entgegen, Maria aber blieb im Haus. Marta sagte zu Jesus: Herr, wärst du hier gewesen, dann wäre mein Bruder nicht gestorben. Aber auch jetzt weiß ich: Alles, worum du Gott bittest, wird Gott dir geben. Jesus sagte zu ihr: Dein Bruder wird auferstehen. Marta sagte zu ihm: Ich weiß, dass er auferstehen wird bei der Auferstehung am Letzten Tag. Jesus erwiderte ihr: Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt, und jeder, der lebt und an mich glaubt, wird auf ewig nicht sterben. Glaubst du das? Marta antwortete ihm: Ja, Herr, ich glaube, dass du der Messias bist, der Sohn Gottes, der in die Welt kommen soll.

Nach diesen Worten ging sie weg, rief heimlich ihre Schwester Maria und sagte zu ihr: Der Meister ist da und lässt dich rufen. Als Maria das hörte, stand sie sofort auf und ging zu ihm. Denn Jesus war noch nicht in das Dorf gekommen; er war noch dort, wo ihn Marta getroffen hatte. Die Juden, die bei Maria im Haus waren und sie trösteten, sahen, dass sie plötzlich aufstand und hinausging. Da folgten sie ihr, weil sie meinten, sie gehe zum Grab, um dort zu weinen. Als Maria dorthin kam, wo Jesus war, und ihn sah, fiel sie ihm zu Füßen und sagte zu ihm: Herr, wärst du hier gewesen, dann wäre mein Bruder nicht gestorben. Als Jesus sah, wie sie weinte und wie auch die Juden weinten, die mit ihr gekommen waren, war er im Innersten erregt und erschüttert. Er sagte: Wo habt ihr ihn bestattet? Sie antworteten ihm: Herr, komm und sieh! Da weinte Jesus. Die Juden sagten: Seht, wie lieb er ihn hatte! Einige aber sagten: Wenn er dem Blinden die Augen geöffnet hat, hätte er dann nicht auch verhindern können, dass dieser hier starb? Da wurde Jesus wiederum innerlich erregt, und er ging zum Grab. Es war eine Höhle, die mit einem Stein verschlossen war.

Jesus sagte: Nehmt den Stein weg! Marta, die Schwester des Verstorbenen, entgegnete ihm: Herr, er riecht aber schon, denn es ist bereits der vierte Tag. Jesus sagte zu ihr: Habe ich dir nicht gesagt: Wenn du glaubst, wirst du die Herrlichkeit Gottes sehen? Da nahmen sie den Stein weg. Jesus aber erhob seine Augen und sprach: Vater, ich danke dir, dass du mich erhört hast. Ich wusste, dass du mich immer erhörst; aber wegen der Menge, die um mich herum steht, habe ich es gesagt; denn sie sollen glauben, dass du mich gesandt hast. Nachdem er dies gesagt hatte, rief er mit lauter Stimme: Lazarus, komm heraus! Da kam der Verstorbene heraus; seine Füße und Hände waren mit Binden umwickelt, und sein Gesicht war mit einem Schweißtuch verhüllt. Jesus sagte zu ihnen: Löst ihm die Binden, und lasst ihn weggehen!

Viele der Juden, die zu Maria gekommen waren und gesehen hatten, was Jesus getan hatte, kamen zum Glauben an ihn.


Die Auferweckung des Lazarus
(Ikone in der Fraternatsbibliothek der Abtei)


Impuls

Warum lässt Gott das zu?! Warum greift Er nicht ein?! so fragen Menschen immer wieder im Angesicht von Leid – und wohl gerade auch in der momentanen Situation. Wenn Gott wirklich allmächtig ist, dann muss Er doch helfen!!
All das Leid in unserer Welt ist ohne Zweifel eine ganz schwerwiegende Anfrage an die Pläne Gottes mit uns: Hätte Er nicht eine Welt ohne Leid schaffen können? – Die Erzählung vom Sündenfall in Gen 3, die Erzählung von der Vertreibung aus dem Paradies erzählt zugleich auch die Geburtsstunde der menschlichen Freiheit, der Erkenntnis von Gut und Böse: Wir Menschen wären nicht, wer wir sind, wenn Gott uns nicht die Freiheit der Entscheidung geschenkt hätte – die Freiheit, uns auch gegen die Absichten und Wünsche Gottes zu entscheiden. Der Preis dieser Freiheit ist das Leid.
Aber Gott lässt Seine Schöpfung deshalb nicht allein. Er schlägt nur nicht gewaltsam dazwischen. Er bietet uns einen ganz anderen Weg an.
Am vergangenen Mittwoch haben wir das Hochfest der Verkündigung des Herrn gefeiert: Neun Monate vor Seiner Geburt beginnt das Leben Jesu im Schoß Seiner Mutter. Gott wird bis in die letzte Konsequenz, mit Haut und Haar ein Mensch wie wir. Das ist Seine Antwort auf das Leid.
Wir stehen heute am Beginn der Passionszeit, der letzten beiden Wochen der Fastenzeit, die ganz unter dem Eindruck der Passion, des Leidens Jesu, Seines gewaltsamen Endes am Schandpfahl (Apg 10,59; Gal 3,13) stehen.
Im heutigen Evangelium entscheidet sich Jesus, von Galiläa (wohin Er sich vor den Anfeindungen der Jerusalemer Religionstechnokraten zurückgezogen hatte) nach Judäa zurückzukehren, um Seinen todkranken Freund Lazarus aufzusuchen. Nicht von ungefähr protestieren die Jünger vehement: Rabbi, eben noch suchten Dich die Juden zu steinigen – und Du gehst wieder dorthin?! (V.8). Als Jesus bei Seinem Entschluss bleibt, ruft Thomas trotzig aus: Dann lasst uns mit Ihm gehen, um mit Ihm zu sterben! (V.16)
Jesus geht nach Bethanien nahe Jerusalem, um in einer schweren Zeit Seinen Freunden, den drei Geschwistern Maria, Martha und Lazarus nahe sein zu können. Er nimmt sich Zeit für die um ihren Bruder trauernde Martha; für eine Martha, die sich innerlich aufbäumt. Er hört sich ihre Vorwürfe an (die kurz darauf auch Maria Ihm macht: Wo warst Du, als Lazarus gestorben ist?! Du hättest ihn retten können!!), nimmt sie ernst – und versucht ganz vorsichtig, ihr Hoffnung aus dem Glauben zu schenken. Und im Laufe dieses liebevollen Gespräches bewegt sich Martha: Der Blick, der nach hinten, in die Vergangenheit gerichtet war: Wo warst Du?, wendet sich zu einem Blick nach vorne: Ja, Herr, ich glaube, dass Du der Christus bist, der Sohn Gottes, der in die Welt kommen soll!
Im Falle der trauernden Schwestern wird augenscheinlich, wie Jesus – und in Ihm Gott selbst – in das Leid der Menschen eintaucht. Ja, es wird deutlich, dass Er mitleidet, dass das Weinen der Menschen, die um Lazarus trauern, Ihn ansteckt: Alles bäumt sich in Ihm auf gegen den Tod (V.33), und auch Er kann die Tränen um Lazarus nicht mehr zurückhalten (V.35). – Und dann sagt Er dem Tod den Kampf an: Lazarus, komm heraus! (V.43) – Er, der wenige Tage später festgenommen und hingerichtet werden wird.
Passionssonntag: Überall in der Heiligen Schrift – aber gerade auch in den beiden Wochen, die wir heute beginnen – wird überdeutlich, welche Passion Gott für uns Menschen hat; welch ungeheure Leidenschaft Ihn antreibt.
Ich mag dich leiden, sagen wir zu einem Menschen, der unser Herz erobert hat. Im Klartext heißt das: Ich liebe dich so sehr, dass ich bereit bin, an dir und mit dir zu leiden.
Und genau das sagt Gott uns im Leiden Jesu zu: Ich mag dich leiden, Mensch, wer du auch bist! Kein Weg ist zu weit für Mich, um mit dir zu gehen; um dir nahe sein zu können. Für dich gehe ich bis ans Kreuz!
Im heutigen Evangelium weint Jesus um uns und mit uns, die wir Seine Freundinnen und Freunde sind: Er kennt und weiß um unsere Tränen. Donnerstags nach der Komplet läuten wir Mönche die Totenglocke, um uns an Jesu Todesangst im Garten Getsemani zu erinnern: Angst, in der Er uns ganz nahe rückt. Angst, in der wir auch Ihm nahe sein wollen. An Karfreitag erleidet Jesus Folter und Kreuzigung – aus Leidenschaft für uns – um uns auch in Leid, Sterben und Tod nicht allein zu lassen. – Wo ist Gott? – Näher als wir uns selber sind!
Passion Gottes: Zu keinem Augenblick der gegenwärtigen Krise sind wir allein auf uns gestellt! Die entscheidende Frage an uns ist: Glaubst du das? (V.26) Glaubst du, dass Ich immer bei dir bin? Dass Ich die Auferstehung und das Leben bin?

In Gebet und frohem Glauben Ihnen allen zutiefst verbunden
Ihr P. Benedikt


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