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Neuigkeiten

aus der Abtei

2. Sonntag der Osterzeit („Weißer Sonntag“)


Messtexte und Impuls

TEXTE DER HEILIGEN MESSE

Introitus (Eröffnungsvers)

Wie neugeborene Kinder
verlangt nach der unverfälschten Milch des Wortes,
damit ihr durch sie heranwachst und das Heil erlangt.
Halleluja!
(1 Petr 2,2)

Oration

Barmherziger Gott, durch die jährliche Osterfeier erneuerst du den Glauben deines Volkes. Lass uns immer tiefer erkennen, wie heilig das Bad der Taufe ist, das uns gereinigt hat, wie mächtig dein Geist, aus dem wir wiedergeboren sind, und wie kostbar das Blut, durch das wir erkauft sind. Durch unseren Herrn Jesus Christus, deinen Sohn, der in der Einheit des Heiligen Geistes mit dir lebt und herrscht, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit.
Amen.

Erste Lesung (Apg 2,42–47)

Lesung aus der Apostelgeschichte

Die Gläubigen hielten an der Lehre der Apostel fest und an der Gemeinschaft, am Brechen des Brotes und an den Gebeten. Alle wurden von Furcht ergriffen; und durch die Apostel geschahen viele Wunder und Zeichen. Und alle, die glaubten, waren an demselben Ort und hatten alles gemeinsam. Sie verkauften Hab und Gut und teilten davon allen zu, jedem so viel, wie er nötig hatte. Tag für Tag verharrten sie einmütig im Tempel, brachen in ihren Häusern das Brot und hielten miteinander Mahl in Freude und Lauterkeit des Herzens. Sie lobten Gott und fanden Gunst beim ganzen Volk. Und der Herr fügte täglich ihrer Gemeinschaft die hinzu, die gerettet werden sollten.

Alleluia I

Halleluja!
Der Herr ist aus dem Grab erstanden,
der für uns am Kreuz gehangen.
Halleluja!

Zweite Lesung (1 Petr 1,3-9)

Lesung aus dem ersten Brief des Apostels Petrus

Gepriesen sei der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus: Er hat uns in seinem großen Erbarmen neu gezeugt zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten, zu einem unzerstörbaren, makellosen und unvergänglichen Erbe, das im Himmel für euch aufbewahrt ist. Gottes Kraft behütet euch durch den Glauben, damit ihr die Rettung erlangt, die am Ende der Zeit offenbart werden soll. Deshalb seid ihr voll Freude, wenn es auch für kurze Zeit jetzt sein muss, dass ihr durch mancherlei Prüfungen betrübt werdet. Dadurch soll sich eure Standfestigkeit im Glauben, die kostbarer ist als Gold, das im Feuer geprüft wurde und doch vergänglich ist, herausstellen – zu Lob, Herrlichkeit und Ehre bei der Offenbarung Jesu Christi. Ihn habt ihr nicht gesehen und dennoch liebt ihr ihn; ihr seht ihn auch jetzt nicht; aber ihr glaubt an ihn und jubelt in unaussprechlicher und von Herrlichkeit erfüllter Freude, da ihr das Ziel eures Glaubens empfangen werdet: eure Rettung.

Alleluia II

Halleluja!
Acht Tage darauf, bei verschlossenen Türen,
stand Jesus in der Mitte seine Jünger
und sagte: Friede sei mit euch!
Halleluja!

EVANGELIUM (Joh 20, 19–31)

Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes

Am Abend dieses ersten Tages der Woche, als die Jünger aus Furcht vor den Juden bei verschlossenen Türen beisammen waren, kam Jesus, trat in ihre Mitte und sagte zu ihnen: Friede sei mit euch! Nach diesen Worten zeigte er ihnen seine Hände und seine Seite. Da freuten sich die Jünger, als sie den Herrn sahen. Jesus sagte noch einmal zu ihnen: Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch. Nachdem er das gesagt hatte, hauchte er sie an und sagte zu ihnen: Empfangt den Heiligen Geist! Denen ihr die Sünden erlasst, denen sind sie erlassen; denen ihr sie behaltet, sind sie behalten.

Thomas, der Didymus genannt wurde, einer der Zwölf, war nicht bei ihnen, als Jesus kam. Die anderen Jünger sagten zu ihm: Wir haben den Herrn gesehen. Er entgegnete ihnen: Wenn ich nicht das Mal der Nägel an seinen Händen sehe und wenn ich meinen Finger nicht in das Mal der Nägel und meine Hand nicht in seine Seite lege, glaube ich nicht. Acht Tage darauf waren seine Jünger wieder drinnen versammelt und Thomas war dabei. Da kam Jesus bei verschlossenen Türen, trat in ihre Mitte und sagte: Friede sei mit euch! Dann sagte er zu Thomas: Streck deinen Finger hierher aus und sieh meine Hände! Streck deine Hand aus und leg sie in meine Seite und sei nicht ungläubig, sondern gläubig! Thomas antwortete und sagte zu ihm: Mein Herr und mein Gott! Jesus sagte zu ihm: Weil du mich gesehen hast, glaubst du. Selig sind, die nicht sehen und doch glauben.

Noch viele andere Zeichen hat Jesus vor den Augen seiner Jünger getan, die in diesem Buch nicht aufgeschrieben sind. Diese aber sind aufgeschrieben, damit ihr glaubt, dass Jesus der Christus ist, der Sohn Gottes, und damit ihr durch den Glauben Leben habt in seinem Namen.


Impuls

In der Osterzeit werden uns verschiedene Berichte von Begegnungen mit dem Auferstandenen zu Gehör gebracht. Dabei erweist sich eine jede Begegnung mit dem auferstandenen Herrn als irgendwie persönliches und individuelles Geschehen.

Die ‚Auferstehungserfahrung an sich‘ scheint es nicht zu geben. Schon gar nicht als ein triumphales Ereignis in Glanz und Gloria, das alle Fragen, Bedenken und Zweifel schlichtweg niederwalzen würde: kein außergewöhnliches Naturereignis, keine prächtige Inszenierung, kein rauschendes Fest. Jede der Personen, die dem Auferstandenen begegnet, macht ihre ganz eigenen Erfahrungen mit ihm. Zugleich wird aber von dem, was die jeweiligen Menschen in diesen Situationen zutiefst in der Seele bewegt, nichts oder doch nur sehr wenig berichtet. Lässt sich eine solche Erfahrung überhaupt hinreichend in Worte fassen?
„Worüber man nicht sprechen kann, darüber muss man schweigen“, so sagt der Philosoph Ludwig Wittgenstein. Kann man demnach die Auferstehung Jesu, sogar eine (persönliche) Begegnung mit dem Auferstandenen überhaupt angemessen ins Wort bringen, oder sollte man darüber besser schweigen, weil uns angesichts einer solchen außergewöhnlichen Erfahrung doch nur hilfloses Stammeln übrig bliebe?
Ohne Frage, die Auferstehung Jesu ist und bleibt ein Geheimnis, das sich letztlich mit den Mitteln der menschlichen Vernunft nicht durchleuchten lässt. Ein Geheimnis ist sie – ein Rätsel hingegen nicht! Ein Rätsel (vgl. Kreuzworträtsel) kann man lösen, besitzt man nur ein ausreichend großes Wissen und setzt man dafür alle intellektuellen Kräfte ein. Am Ende steht uns dann die Lösung glasklar vor Augen. So einfach geht es mit der Auferstehung Jesu eben nicht! Sollte uns das jetzt entmutigen? Und wozu dann die verschieden österlichen Berichte über Begegnungen mit dem Auferstandenen?

Gewiss, die Auferstehung Jesu ist kein Rätsel, das wir einfach lösen könnten. Sie bleibt letztlich nicht vollständig darstellbar und erklärbar, da sie zwangsläufig unsere Grenzen in jeder Hinsicht sprengt. Sie bleibt das tiefe Geheimnis, das wir glaubend annehmen, das wir aber – eben als Geheimnis – weder vollständig (intellektuell) durchdringen, noch hinreichend in Worte fassen können.
Die Evangelisten geben uns Hinweise und Hilfen, sich diesem Geheimnis der Auferstehung Jesu anzunähern. Sie bieten uns den Horizont, vor dem wir unseren Lebensweg und unseren Alltag glaubend deuten können. Was es aber für mich bedeutet, dass Jesus von den Toten auferstanden ist, muss ich persönlich und konkret erfahren. Dies ist möglich, indem ich auf die vielen kleinen – und vielleicht auch größeren – Auferstehungserfahrungen in meinem Leben achte und schaue: überstandene Krankheiten, bestandene Prüfungen, gelungene Gespräche, hilfreiche Begegnungen… Es sind Erfahrungen, die mir zeigen, dass das Licht eben doch stärker ist als das Dunkel, dass das Leben doch mächtiger ist als der Tod! Wenn es mir gelingt, solche Erfahrungen mit der Botschaft von Jesus, der nicht im Tod geblieben ist, in Verbindung zu bringen, wenn ich diese Erfahrungen mit Jesus Christus selbst verbinden kann, dann bin ich dem Geheimnis der Osterbotschaft auf die Spur gekommen. Ich darf glauben, dass sich in Ihm vorbildhaft das grundlegende und tragende Geheimnis des Lebens verwirklicht: Der Sinn des Lebens ist das Leben selbst – das Leben, das Gott schenkt, weil er selbst dieses Leben ist. Und dieses Leben kann nicht vernichtet werden.

Sind damit nun alle Zweifel aus dem Weg geräumt? Führt uns nicht gerade das heutige Evangelium mit dem Apostel Thomas den größten aller Zweifler vor? – Aber vielleicht war Thomas ja gar kein wirklicher Zweifler!
Die Geschichte der Philosophie kennt den ‚methodischen Zweifel‘. Solcher Zweifel führt durch konsequente Fragestellungen und geschicktes Anzweifeln zum eigentlichen Kern einer Sache – nicht um dessen Existenz wiederum zu leugnen, sondern um ihn ans Licht zu holen. Aller geistige Schutt, alle bloße Vermutung, alle unqualifizierte Meinung sollen dabei weggeschoben werden, um die Existenz des Eigentlichen hervorzuheben. War das nicht die Vorgehensweise des Thomas?
Thomas, so meine ich, will sicher nicht in Frage stellen, dass ein Lebender vor ihm steht, der ihn an Jesus erinnert (wie auch immer wir uns die Erscheinungsweise Jesu hier vorstellen wollen). Schließlich spricht Jesus ihn ja auch direkt an. Thomas erkennt ihn – und erkennt ihn zugleich auch nicht. Vieles hat Thomas in den Tagen nach dem Karfreitag gehört: Gerüchte, Meinungen, kühne Behauptungen. Diesen Schutt will er beiseite räumen. Jetzt will er zur Gewissheit kommen, dass es sich hier tatsächlich um jene Person handelt, der er eimal nachfolgte, deren Leben, Leiden und Sterben er kannte – um Jesus, der eben sein Freund, Herr und Meister war. An seinen Wundmalen erkennt er ihn, oder besser, identifiziert er ihn. Somit kann er glauben. Auf der Stelle wird Thomas das Wesentliche klar: Der Weg Jesu, der Weg durch die Dunkelheit, durch das Leiden und selbst durch den Tod ist tatsächlich der Weg des Lebens und zum Leben: „Mein Herr und mein Gott!“

Einem solchen Bekenntnis dürfen wir uns anschließen. Damit sollen Elend, Leid, Krankheit und Tod keinesfalls verharmlost werden. Sie stehen nun aber in einem anderen Licht da, denn sie haben nicht mehr das letzte Wort zu sprechen.

P. Ignatius


Michelangelo Merisi da Caravaggio, „Der ungläubige Thomas“ (ca. 1602)
Quelle: WikiArt


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