Abt Ignatius Fritsch stellt sich den Mitgliedern des Forums vor.
„Habemus Abbatem“ – diese frohe Botschaft verkündete der Konvent am 17. September letzten Jahres nach der Wahl von P. Ignatius Fritsch zum Abt von Marienstatt vor. Jetzt hatten die Mitglieder des Forums Gelegenheit, den „Neuen“ auch näher kennenzulernen, der trotz einer starken Erkältung und belegter Stimme den Termin wahrnahm.
Viele kannten ihn nur vom Sehen oder vielleicht auch gar nicht, war er doch bisher eher als Lehrer für Musik, Bildende Kunst und Religion im Gymnasium des Klosters oder bei der geistlichen Begleitung der Hausgäste tätig. Auch fiel er dadurch auf, dass er seine fundierten Predigten frei oder nur mit wenigen Stichworten hielt.
Umso wichtiger war es, dass Abt Ignatius sich auch einmal als Mensch und als Oberer der Abtei vorstellen konnte. Das Interesse der Mitglieder war riesig. Weit über 60 Personen folgten der Einladung und erfuhren viel Neues, sei es in seiner Vorstellung oder bei der Beantwortung von Fragen. Besonders positiv wurde von den Anwesenden vermerkt, dass er auch das Gespräch mit jedem einzelnen suchte, indem er zu den Tischen im Raum für einen Austausch ging. Nicht nur so war er „nah bei den Menschen“, offen und liebenswürdig zu allen, verbunden mit Humor und Empathie.
Zur Person:
Abt Ignatius wies darauf hin, dass er verschiedene Leben gelebt habe. Als Hesse mit Migrationshintergrund (beide Eltern stammen aus Schlesien), dessen Tonfall seine Herkunft nicht verleugnen lässt, studierte er nach dem Abitur Musikwissenschaft, Philosophie und Kunstgeschichte. Ein Stipendium in Rom nach der Magisterprüfung schlug er aus, um nach dem plötzlichen Tod der Mutter sich um seinen pflegebedürftigen Vater zu kümmern. Nach dessen Tod trat er in die Gesellschaft Jesu ein, studierte nach seinem Noviziat in Münster/Westf. Theologie in Innsbruck und war nach der Priesterweihe als Kaplan in Frankfurt tätig.
Ab 2004 wirkte er einige Jahre als Lehrer, ehe er seine „alte Liebe“ Himmerod wieder entdeckte. Er kannte die Zisterzienserabtei in der Eifel seit seinem 16. Lebensjahr, als er mit den Eltern dort gewesen war, und trat 2011 dem Konvent bei. Nach Ablauf der vorgegebenen Zeit der Probe legt er gegenüber dem damaligen Vaterabt Abt Andreas Range die zeitliche Profess ab. Die ewige Profess folgte im Jahr 2016. Mit der Auflösung der Zisterzienserabtei Himmerod im Jahr 2017 suchte und fand er eine neue Heimat in Marienstatt. Dort wählten ihn die Mitbrüder Mitte September 2025 nach dreijähriger Vakanz zum Abt. Am 26. Oktober 2025 wurde er durch Bischof Dr. Georg Bätzing in Anwesenheit von Abtpräses Vinzenz Wohlwend von Wettingen-Mehrerau/Bregenz in der Abteikirche Marienstatt benediziert.
Leitspruch und Wappen:
bei der Erläuterung des Wappens
Als Leitwort für seinen Dienst hat Abt Ignatius den Satz aus dem zweiten Korintherbrief gewählt: „Die Liebe Christi drängt uns“ (2 Kor 5,14).
Sein Wappen bezieht sich auf die Herkunft seiner Familie und Stationen seines Lebens:
Der schwarze schlesische Adler auf gelbgoldenem Grund rechts unten verweist auf die Familiengeschichte. Links unten ist das Wappen der Jesuiten: das Christusmonogramm IHS- mit Kreuz auf dem Querbalken des H im Strahlenkranz. Links oben befindet sich der Hinweis auf die Abtei Himmerod mit zwei goldenen Ringen auf rotem Grund und rechts oben der blühende Weißdornstrauch auf blauem Grund für Marienstatt. Von links oben nach rechts unten befindet sich ein zweireihiges rot-weiß-kariertes Band zur Erinnerung an den Hl. Bernhard von Clairvaux. Hinter dem Wappen ist ein Abtstab und um es herum ein schwarzer Hut und gleichfarbige Troddeln als Zeichen seiner Würde als Träger von Pontifikalien.
Exkurs Familiengeschichte:
Abt Ignatius ist nicht der erste Zisterzienserabt, den die Familie Fritsch hervorgebracht hat. Ein Großonkel X-ten Grades, Innozenz Fritsch (geb. 1655), war von 1727 bis zu seinem Tod im September 1734 Abt der Zisterzienserabtei Grüssau in Niederschlesien. Von ihm ging die Initiative aus, eine neue Klosterkirche zu bauen, für die er die damals bedeutendsten böhmischen und schlesischen Künstler gewinnen konnte (Grüssau gehörte damals zu Österreich). Er starb jedoch noch vor der Fertigstellung. Die Weihe der neuen Kirche „Maria Himmelfahrt“ erfolgte im Sommer 1735.
Die Klosteranlage wird heute von Benediktinerinnen bewohnt und gehört zu den bedeutendsten Barockanlagen Europas. Sie ist als Weltkulturerbe nominiert.
Ziele:
Abt Ignatius wies darauf hin, dass er nicht mit einem ausformulierten „Regierungsprogramm“ dienen könne. Seine Tätigkeit als Abt definiere er von dem Ziel seiner Arbeit her: nämlich für eine gute Zukunft Marienstatts zu sorgen. Hierbei zeigte er sich trotz der wenigen Mönche sehr optimistisch. Entscheidend sei nicht die Zahl, sondern die Fähigkeiten der Mitbrüder, die er lobte, aber auch die Mithilfe der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bzw. des Forums. Zudem rechne er damit, dass noch im Laufe des Jahres der Konvent durch jüngere Novizen Verstärkung erfahren werde. Nicht zuletzt vertraue er wie im bisherigen Leben auf die Hilfe und die Fürsorge Gottes bei allem Tun.
Er sei ein Mensch, der seine Ziele langfristig verfolge und versuche, sie mit vielen kleinen Schritten zu erreichen. Dieses Vorgehen habe sich für ihn immer bewährt.
Besonderes Augenmerk legte er auf das Gymnasium. Zwar sei er der letzte Mönch, der noch an der Schule unterrichte, wobei er altersbedingt zum Ende des Schuljahres ausscheiden werde, aber auch danach werde er nicht nur als Schulträger weiter in der Schule Präsenz zeigen.
Der Vorsitzende des Forums Johannes Kempf sagte die Unterstützung des Forums als Förderverein zu, wies aber gleichzeitig auch darauf hin, dass man sich in einer „dienenden“ Funktion sehe. Unterstützt würden die Projekte, die Abt und Konvent für das Kloster und den Ort wünschen.
Langanhaltender Beifall zum Abschluss zeigte, dass Abt Ignatius den Nerv der Teilnehmerinnen und Teilnehmer getroffen hatte. Herzlichen Dank!
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