Logo

Neuigkeiten

vom Forum e.V.

Neue Gedenkstätte auf dem früheren Pfarrfriedhof


Heute ist der Bereich zwischen der Basilika und der nördlichen Begrenzungsmauer eine Wiese mit einem Kreuzweg entlang der Mauer und Rotbuchen. Nur die älteren können sich noch daran erinnern, dass hier ein Friedhof war. Hieran erinnern nun Originalgrabsteine, die auf Initiative des Forums wieder aufgestellt wurden . Erläuterungen bietet eine Infostele.

 Es ist Brauch bei den Zisterziensern, die verstorbenen Mönche an der Nordseite der Kirche zu bestatten. Daher dürfte dieser Platz zwischen Basilika und der Klostermauer bis zur Auflösung des Klosters 1802 Abteifriedhof gewesen sein. Das große Tor im nördlichen Querhaus wird dazu gedient haben, die Toten aus der Kirche zum Friedhof zu bringen. Hier fanden sowohl die verstorbenen Mitbrüder als auch mit dem Kloster verbundene Laien ihre letzte Ruhe. Letztere mögen Gönner der Abtei oder aber deren Bedienstete bzw. deren Angehörige gewesen sein.

Friedhof Zustand 1980 Friedhof Zustand 1980 Mit der Nutzung der Abteikirche als Pfarrkirche und der Gründung der Pfarrei Marienstatt im Jahr 1827 befand sich hier der Friedhof für die zur Pfarrei gehörenden Katholiken aus den umliegenden Orten. Die begrenzte Fläche ist vermutlich mehrfach belegt gewesen. Bestattungen fanden hier bis Mitte der 1960er Jahre statt, ehe in den einzelnen Orten die Toten auf kommunalen Friedhöfen ihre letzte Ruhe fanden. Die vorhandenen Gräber wurden nach und nach bis Anfang der 1990er Jahre eingeebnet. In den Folgejahren entstand auf Initiative des damaligen Pfarrers P. Theobald Rosenbauer entlang der Klostermauer ein Kreuzweg, der – eine Besonderheit in Marienstatt – mit der Auferstehung Jesu endet und somit 15. Stationen aufweist.
Hinweise, dass die große Rasenfläche früher ein Friedhof war, fehlten jedoch fast vollständig. Um die Erinnerung an diese frühere Nutzung des Ortes zu bewahren, wurde nunmehr mit Zustimmung der Pfarrei Hachenburg als Grundstückseigentümerin das Forum Abtei Marienstatt aktiv.

 Die wenigen noch erhaltene Grabsteine, die bisher an der Mauer lagen oder dort angelehnt waren, wurden fachmännlich gereinigt und wieder aufgestellt.
Vervollständigt wird dieser Erinnerungsort unter den Rotbuchen durch eine Infostele mit einem Erläuterungstext, der für Besucher Informationen über den Friedhof und die aufgestellten Grabsteine bereithält.

Im Einzelnen handelt es sich um die Grabmale folgender Personen:

 Adam Röder, der am 19. Januar 1693 beerdigt wurde. Röder war Müller und Verwalter des Marienstatter Hofes in Lützelau(Heimborn). Er war nach dem 30jährigen Krieg als Katholik aus Wissen ins protestantische Kirchspiel Kroppach gekommen.
Der Grabstein aus Basalttuff ist in Kreuzform gearbeitet.

 Johannes Matthias Stahl, der am 3. Februar 1712 mit 58 Jahren gestorben war und zwei Tage danach in Marienstatt beerdigt wurde. Er war Verwalter des den von Holdinghausen gehörendes Hofes in Lützelau. In erster Ehe war er mit Maria Crombach und in 2. Ehe mit der Veronica, der Witwe des Bartholomäus Colbet von Wissen verheiratet.
Der Stein, der als Schmuck ein Kruzifix mit Corpus zeigt, ist aus Schiefer gefertigt.

 (Foto: Foto Hehl) (Foto: Foto Hehl) Pfarrer Johannes Leukel, der am 26. April 1806 in (Höhn-)Öllingen geboren wurde und am 12.06.1873 in Marienstatt starb. Er war als Weltpriester genau 21 Jahre, nämlich vom 1. Oktober 1843 bis zum 1. Oktober 1864, als Pfarrer in der Pfarrei Marienstatt tätig, ehe er in dieser Funktion in die Pfarrei Heiligenroth/UWW wechselte. Er hatte damit die längste Amtszeit als Pfarrer in Marienstatt zwischen der Säkularisation und der Wiederbesiedlung. Nach seiner Pensionierung kehrte er nach Marienstatt zurück, wo er bis zu seinem Tod lebte.
Sein mit reichem Schmuck versehener Grabstein wurde ihm – wie auf der Rückseite ersichtlich – von seinen Verwandten gewidmet. Gefertigt wurde er von der Fa. Joh. Diel in Boden aus rotem Sandstein.

 Heinrich Löppenberg stammte aus Westfalen, wo er am 1. Mai 1869 in Watersloh geboren wurde. Von Beruf war er Bildhauer und Kunstschreiner. Seit 1923 lebte und arbeitete er in Marienstatt. Für die Abtei schuf er u.a. für den barocken Barbara-Altar Holzfiguren, die die hl. Barbara, Margaretha und Katharina darstellen und die nach der Fertigstellung 1928 lobend in den “Nassauischen Blätern” besprochen wurden. Sie sind heute noch vorhanden. Auch arbeitete er wiederholt am Chorgestühl. Er starb am 9. April 1946 in Marienstatt.
Das Grabmal besteht aus einem gusseisernen Kreuz mit Christuskörper, das auf einem Steinsockel befestigt ist.

 Felice Dionisi wurde im Jahr 1888 in Italien geboren. Im 1. Weltkrieg desertierte er als italienischer Soldat und lebte seit den 1920er Jahren in Marienstatt. In Kloster, Schule und Internat übernahm er zwischen 1922 und 1953 vielfältige Aufgaben, so als Hausmeister, Friseur oder in der Küche. Besonderes Kennzeichen war seine starke Marienfrömmigkeit. Am Rand des Konventgartens baute er sich eine kleine Kapelle, die jedoch nicht mehr erhalten ist. Er starb am 8. Dezember 1958.
Der Grabstein ist aus Marmor gefertigt.

 Magdalene Schläpfer war gebürtige Schweizerin, kam aber 1896 mit 16 Jahren bereits nach Mariensatt. Als Angestellte der Abtei arbeitete sie bis zu ihrem Tod über 66 Jahre hindurch als Leiterin der Wäscherei und Näherei, in der Gästebetreuung und in der Buch- und Kunsthandlung. Nach kurzer Krankheit starb sie am 28. September 1962.
Der Grabstein besteht aus schwarzem Marmor. Leider ist das Kruzifix auf dem Grabstein nicht mehr vorhanden.

 In der Ostseite der Klostermauer finden sich an der XII. Kreuzwegstation zwei weitere Grabkreuze von Laien aus dem 16. bzw. 17. Jahrhundert.
Es handelt sich dabei links um das Grabstein aus Trachyt mit den Initialen „A H“, die der 1567 verstorbenen Agnes von Halle zuzuordnen sind, der Ehefrau des Bertram von Holdinghausen zu Lützelau, der jedoch selbst in der damals bereits lutherischen Kirche in Kroppach seine letzte Ruhe fand. Die Ehe war offenbar konfessionsverschieden geworden.
Das rechts der XII. Station befindliche Grabkreuz aus Basalttuff erinnert als Elisabet Burmanns von Limbach, die am 17. Mai 1692 in Marienstatt beerdigt wurde. Sie war Tochter des Hanß Georg Bauermans aus Bonn, eines Baumeisters und verheiratet mit Hanß Peter Creutz , der aus Streithausen stammte.

 (Foto: Foto Hehl) (Foto: Foto Hehl) Wir danken ganz herzlich allen Beteiligten, die zum Gelingen des Projektes beigetragen haben:
Heike Kirchhoff für die Erstellung der Infostele und der Hinweistafel für die beiden Grabkreuze, der Fa. Naturstein Hehl für die Reinigung der Grabsteine und die Aufstellung der Grabsteine, Stele und Hinweistafel, sowie Dieter Trautmann, die Angaben zu den Personen zusammengetragen und zur Verfügung gestellt hat.


Zurück