Wieder daheim: Heiliger Sebastian ist zurück
Viele Jahre hat die über 300 Jahre alte, lebensgroße Skulptur des hl. Sebastian schon seinen angestammten Platz auf dem Innenbalkon des Treppenhauses neben der hl. Agnes, die im vergangenen Jahr restauriert wurde. Jetzt ist auch er restauriert worden.
Mit Mitteln des Forums wurde zunächst die wurmstichige Plastik 2023 in einer Stickstoffkammer entwurmt. Danach konnten durch das Restaurierungsatelier Renn die notwendigen Konservierungs- und Restaurierungsarbeiten durchgeführt werden.
Dazu mussten an zahlreichen Stellen Lockerungen der Grundierungsschicht und der Fassung sowie das Holz gefestigt werden.
Hinzu kamen eine Reinigung und eine Entfernung des verdunkelten Überzuges. Zwei infolge des Schädlingsbefalls fehlende Finger der rechten Hand wurden ergänzt, auffallende Fehlstellen gekittet und Risse ausgespänt. Danach wurden Fehlstellen weiß grundiert, die Figur retuschiert und abschließend lasiert.
Die Arbeiten werden die Figur auch für künftige Generationen erlebbar machen.
Doch wer ist der Heilige Sebastian?
vor der Restaurierung (Foto: Renn)
Sebastian soll 288 als Märtyrer in Rom gestorben sein. Sein Leben ist weitestgehend legendär: Geboren in Mailand oder Narbonne soll er unter Kaiser Diokletian Hauptmann der Prätorianergarde am kaiserlichen Hof gewesen sein. Seinen christlichen Glauben habe er verheimlicht, aufgrund seiner Stellung jedoch vielen in Gefängnissen einsitzenden Christen beigestanden, andere Römer bekehrt und Wunder gewirkt.
Als Kaiser Diokletian von Sebastians Glauben erfahren habe, habe er diesen an einen Baum binden und von numidischen Bogenschützen erschießen lassen. Sebastian habe man für tot gehalten und am Hinrichtungsort liegen gelassen. Er sei aber von den Pfeilen nicht getötet worden. Die Witwe des Märtyrers Castulus namens Irene habe sich seiner angenommen und ihn gesund gepflegt.
Rückseite nach der Restaurierung (Foto: Renn)
Als er sich wieder erholt habe, sei er dem erstaunten Kaiser öffentlich entgegengetreten, um ihm die grausame Sinnlosigkeit seiner Verfolgungen vorzuhalten. Diokletian habe Sebastian daraufhin im Hippodrom auf dem Palatin, dem Stadion des Palastes Domus Augustana in Rom, zu Tode peitschen lassen.
Sebastians Leichnam wurde in die am Stadion des Palastes vorbeiführende Cloaca maxima, den größten Abwasserkanal, geworfen, der vom Palatin zum Tiber führte. Sebastian erschien dann der Christin Lucina im Traum und wies ihr den Ort; sie holte den Leichnam heraus und bestattete ihn im Coemeterium ad Catacumbas an der Via Appia – heute die Katakomben des Sebastian – wo eine Zeit lang auch Petrus und Paulus verehrt wurden. Das Martyrium von Sebastian in Rom wurde erstmals 354 bezeugt.
Die Leidensgeschichte Sebastians hat – so das Ökumenische Heiligenlexikon – den Charakter eines epischen Romans, nur geringen historischen Wert und fasst verschiedene römische Märtyrergeschichten in einer Handlung zusammen.
Sebastians Verehrung begann bereits im frühen Mittelalter und hat bis in die Neuzeit angehalten. Er wird gegen die Pest, andere Seuchen sowie als Schutzpatron der Brunnen angerufen, da man seiner Fürbitte das schnelle Erlöschen der sogenannten Justinianischen Pest 680 in Rom zusprach. Sein Kult erwuchs vor allem seit der Pestepidemie in Europa in der Mitte des 14. Jahrhunderts. Außerdem ist er Patron der Sterbenden, Eisenhändler, Töpfer, Gärtner, Gerber, Bürstenbinder, der Polizisten in Deutschland und Italien, Soldaten und Schützenbruderschaften, Kriegsinvaliden, Büchsenmacher, Eisen- und Zinngießer, Steinmetze, Jäger, Leichenträger, Waldarbeiter und wird gegen die Feinde der Kirche angerufen.
Seit der Renaissance und vor allem im Barock wurde er unbekleidet an einem Baum gefesselt und mit Pfeilen, die seinen Körper durchbohren, dargestellt. Dabei wandelte sich seine Figur von mager und mit Wunden bedeckt in eine athletische, eher adonishafte Darstellung. Dem entspricht auch die Marienstatter Version aus dem späten 17./frühen 18. Jahrhundert.
Wie populär der hl. Sebastian war und ist zeigt sich noch heute. Zumindest in Bayern findet sich in nahezu jeder Kirche seine Darstellung.
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