Zum Tod von P. Theobald Rosenbauer O.Cist.
P. Theobald Rosenbauer, der Senior unseres Konvents, ist in der Nacht zum 10. Februar für uns plötzlich und unerwartet von Gott, dem er sich zeit seines Lebens anvertraut hat und auf den er hoffte, zu sich in sein himmlisches Reich gerufen worden.
P. Theobald wurde am 2.2.1934 als ältestes Kind von sieben Kindern unter dem Taufnamen „Eugen“ in Wallmenroth bei Betzdorf geboren.
Ab 1947 besuchte er die Oblatenschule in Marienstatt. Wegen der für die damalige Zeit kurz nach Ende des 2. Weltkrieges großen Entfernung zwischen Wohn- und Schulort, sollte er eigentlich als Internatsschüler aufgenommen werden. Dazu wäre es jedoch notwendig gewesen, dass er auch Priester hätte werden wollen. Auf die Frage des damaligen Internatspräfekten nach seinem Berufswunsch erwiderte er als – mit eigenen Worten „unbedarfter 13-jähriger Junge“ – „Kaufmann“. Damit war ihm zunächst ein Eintritt ins Internat verwehrt, konnte aber als Externer die Schule besuchen. So wohnte er zunächst mit Kost und Logis in einem Zimmer über einer Metzgerei in Müschenbach, sicher in der damaligen „armen Zeit“ kein schlechter Ort, konnte er doch zusätzlich seine Mitschüler mit Wurstbroten versorgen. Unter dem neuen Regens P. Stephan wurde er dann 1948 ins Internat aufgenommen.
der junge Mönch
Nach der Ablegung der mittleren Reife im Frühjahr 1953 wechselte er an das Gymnasium der Zisterzienserabtei in Mehrerau/Vorarlberg, ließ sich jedoch nach einigen Wochen dort beurlauben, um am 19.08.1953 als Novize in das Kloster Marienstatt einzutreten. Seine zeitliche Profess erfolgte am 20.08.1954 in seinem Heimatkloster. 1955 kehrte er auf das Gymnasium in Mehrerau zurück und legte 1957 die Matura ab. Ihr folgte die ewige Profess wieder in Marienstatt, wo er auch die weiteren theologischen Studien absolvierte.
Am 29.06.1960 in Marienstatt wurde P. Theobald durch den Limburger Bischof Kempf zum Priester geweiht zusammen mit seinen Mitbrüdern P. (später Abt) Thomas Denter und P. Gabriel Hammer sowie P. Pius Kohlhaas aus Luckenbach, der Mönch der Zisterzienserabtei Himmerod war.
Von 1961 bis 1972 war er Präfekt des Internats und danach bis 1980 dessen Regens. In den 1960er Jahren gab es bis zu 170 Internatsschüler. Für sie war P. Theobald direkter Ansprechpartner, aber auch Erzieher und Tröster in der Not.
Um auch die Freizeit schülergerecht zu gestalten, entstand als Sportverein die DJK Marienstatt, in der er die Fußballabteilung übernahm, zunächst als Trainer, später auch als Schiedsrichter bei Spielen mit anderen Vereinen im weiten Westerwald. Eine Fußballmannschaft erreichte sogar den Titel des Schullandesmeisters. Überörtlich war er Jahrzehnte hindurch als Vorstandmitglied im Sportkreis Westerwald/Sieg tätig, wo er u.a. erreichte, dass am Sonntag keine Spiel vor 11.00 Uhr begannen.
rechts P. Dr. Gabriel Hammer
Ein weiteres Hobby brachte er auch den Schülern nahe. P. Theobald war ein leidenschaftlicher Fotograf und Sammler alter Fotoapparate. Im Keller des Internats unterhielt er ein Fotolabor, wo er die Filme selbst entwickelte. Daraus entstanden auch die Foto-AG des Gymnasiums.
Als Lehrer unterrichtete er ab 1961 überwiegend Religion und Sport, aber auch Latein, und übernahm auch Klassenleitungen. Insgesamt 39 Jahre lang war er mit unterschiedlichen Stundenzahlen tätig.
Wie eng das Vertrauensverhältnis zwischen ihm als Lehrer und Erzieher einerseits und den dem ihn anvertrauten Kindern und Jugendlichen war, zeigte sich auch öffentlich, wenn es für P. Theobald etwas zu feiern gab. Auch ohne besondere Einladung, sondern eher durch Mund-zu-Mund-Propaganda kamen viele aus nah und fern nach Marienstatt, um ihm zu gratulieren.
Seit Beginn der 1970er Jahre bot er während seines eigenen Urlaubs auch Jugendfreizeiten an. Sie waren auf anfangs drei Wochen angelegt und führten seit 1974 nach Altenmarkt im österreichischen Pongau. Er ermöglichte es so vielen Kindern und Jugendlichen einen Sommerurlaub unter Gleichaltrigen mit viel Sport, Wanderungen, Ausflügen in die Umgebung und vor allem Gemeinschaftsleben.
In all den Jahren war er auch sonntags gerne gesehener Zelebrant der Gottesdienste in den Gemeinden des Gebhardshainer Landes.
im Konventgarten
1980, das Internat lief langsam aus, übernahm er eine neue herausfordernde Aufgabe: Abt Thomas ernannte ihn zum Pfarrer von Marienstatt. Er war nach der Wiederbesiedlung der erste „Nichtabt“ als Pfarrer (Die Pfarrerstelle hatte sonst immer der Abt inne, der einen Pfarrassistenten berief, um die Aufgaben eines Pfarrers zu übernehmen.). Hatte er bisher durch seine Tätigkeit in Internat und Schule wenig Kontakt zur Pfarrei, versuchte er dies bereits vorbereitend auszugleichen, indem er beispielsweise als aktiver Sänger dem Kirchenchor beitrat. Seine Zeit als Pfarrer endete zum Jahresende 2009. In seine Amtszeit fällt u.a. die Sanierung des Pfarrheims einschließlich Parkflächen und des Pfarrsaals, die Restaurierung der Abteikirche und die Neugestaltung der Altarinsel, die Errichtung des Kreuzweges auf dem Pfarrfriedhof und die Gründung der sog. 5. Kolonne, der Trupp von Senioren, die sich um die Außenanlagen in Marienstatt, den Auf- und Abbau der Weihnachtskrippe und vieles mehr kümmert.
Weitaus wichtiger für war jedoch für ihn seine Aufgabe als Seelsorger, in der die Menschen für Gott begeisterte. Mit hohem persönlichen Einsatz baute er Bestehendes aus, setzte neue Akzente in Verkündigung und Katechese und verknüpfte dabei Glauben mit der Lebenswirklichkeit der Menschen. Wichtig war ihm dabei immer der persönlich Kontakt. So beteiligte er sich viele Jahre hindurch als Begleiter der Sternsinger und ging mit ihnen in den Diasporagebieten der Pfarrei von Haus zu Haus und suchte dabei auch das Gespräch mit Nichtkatholiken. Bei Karnevalsveranstaltungen glänzte er als Büttenredner oder im „Männerballett“.
Besondere Kraft schöpfte er aus der Feier der Eucharistie, die ihm Lebenssinn gab. Seine Gottesdienste bereitete er sehr gründlich vor, besonders die Predigten und die kurzen Meditationen nach der Kommunion. Mit der Schreibmaschine, mit der er allen Entwicklungen von mechanisch über elektrisch bis elektronisch durchmachte – mit dem PC konnte er sich nicht anfreunden -, erstellte er seine Manuskripte.
Tauffeier während der Innenrestaurierung
Messdiener- und Seniorenarbeit, Pilgerfahrten und Ausflüge, aber auch die geistliche Begleitung von Personen in Notlagen waren ihm ein besonderes Anliegen. So war er auch lange Jahre hindurch als Krankenhausseelsorger am Krankenhaus in Hachenburg tätig, um Menschen in existenziellen Nöten auch zu außergewöhnlichen Tages- oder Nachzeiten beizustehen.
Es fiel ihm eher schwer, als für ihn 2009 die Zeit als Pfarrer endete. Er fühlte sich eigentlich zu jung und zu aktiv, um in Ruhestand zu gehen. Als jemand, dessen Klosterleben eher untypisch gewesen war, konnte er sich nicht vorstellen, „Mönch hinter Klostermauern“ zu sein.
So kam es ihm gelegen, dass er 76-jährig im April 2010 als Nachfolger seines Mitbruders P. Gabriel Spiritual in der Zisterzienserinnenabtei in Oberschönenfeld bei Augsburg tätig sein konnte, wo er mit den Nonnen täglich Gottesdienst feierte. Zu diesen Gottesdiensten kamen auch Hausgäste und vor allem Menschen aus der Umgebung von Oberschönenfeld, denen er zum Seelsorger wurde. Auch übernahm er Vertretungen für den örtlichen Pfarrer in Pfarrgottesdiensten.
am 92. Geburtstag (02. Februar 2026) (Foto: Joachim Hahmann)
Aus gesundheitlichen Gründen musste er im letzten Jahr das Amt als Spiritual aufgeben und kehrte Ende Oktober 2025 in den Westerwald zurück. Wegen seines Pflegebedarfs lebte er seither im Haus Helena, wo er sich gut eingewöhnt hatte. Dort feierte er noch an Lichtmess seinen Geburtstag, u.a. auch im Kreis „seiner“ 5. Kolonne. Nichts deutete darauf hin, dass sein irdisches Leben sich dem Ende zuneigte. Noch am Tag vor seinem Tod war er beim Gottesdienst und der anschließenden Begegnung im Haus Helena dabei. So schlief er am Abend des 9. Februars ein und wurde am darauffolgenden Morgen tot im Bett gefunden.
Mit P. Theobald Rosenbauer verlieren wir einen Mitbruder, der mehr 72 Jahre unserer Gemeinschaft angehörte, der mehr als 65 Jahre Gott als Priester und den unterschiedlichsten Menschen als Seelsorger diente. Er hat so in seiner Person den Auftrag Jesu Christi an die Apostel verwirklicht, „Menschenfischer“ (Mt 4, 19) zu sein. Er war ein Mensch, dem Marienstatt aus tiefster Überzeugung Heimat war und der sich gerade in der Zeit in Oberschönenfeld wünschte, nach seinem Tod auf dem Klosterfriedhof in Marienstatt seine letzte irdische Ruhestätte zu finden.
Diesen letzter Wunsch werden wir ihm erfüllen. Am Freitag, dem 20. Februar feiern wir um 14 Uhr in der Abteikirche das Requiem für unseren Mitbruder und tragen ihn anschließend zu Grabe auf dem Mönchsfriedhof. Möge er ruhen in der ewigem Anschauung Gottes.
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